Erschütterung

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Erkenntnis kann ziemlich wehtun und erschütternd sein.

In den letzten Jahren wurde ihr das immer klarer vor Augen geführt. Wenn es einen dann aber mal wieder ziemlich heftig trifft, ist es besonders schlimm. Es ist wirklich schwer, dann nicht zu verzweifeln oder ganz zu resignieren oder zu verbittern.

Bisher hat sie es immer irgendwie geschafft, sich wieder auf die Reihe zu bekommen, hat versucht, ihre Lehren daraus zu ziehen.

Gerade geht es ihr ziemlich mies und sie weiß noch nicht, in welche Richtung es weitergeht. In den letzten Tagen wurde ihr klar, dass jeder irgendwie in seiner eigenen Welt lebt. Jeder hat irgendwie seine Glocke um sich und sieht alles aus seiner Perspektive. Jedenfalls empfindet sie es so.

Wenn man sich nicht fügt, nicht anpasst, nicht nach der Vorstellung anderer sein Leben führt, dann wird man entweder platt gemacht, verstoßen oder erzogen, egal welches Alter man hat und schon lange den Kinderschuhen entwachsen ist. Engste Angehörige versuchen es immer wieder, sie nach ihrem Bilde umzuerziehen. Jeder zerrt und biegt an ihr und jeder scheint zu wissen, was für sie richtig ist. Die ach so gut gemeinten Ratschläge, -wie undankbar von mir-, denkt sie.

Menschen sind unterschiedlich, einer kämpft wie ein Stier für sein Recht und seine Meinung und ein anderer zieht sich zurück, ist vielleicht auch zu schwach oder zu erschöpft, um sich immer wieder zu rechtfertigen und zu erklären. Sie ist kein Don Quichotte. Überhaupt kann sie doch nur für sich selbst wissen, was ihr gut tut und was nicht.

Ihr sind die Nerven durchgegangen. Sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sie ist ein Mensch und keine gefühllose, funktionierende Maschine, die man je nach Bedarf programmiert. Jeder hat seine Grenzen des Erträglichen.

Und jetzt? Sie weiß es nicht……
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Heimatland

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Mein Blick verliert sich
am Horizont
zwischen Himmel und Land
zwischen flirrender Sonne
und wirbelndem Staub

ein Bild steigt auf
Konturen im Licht
Erinnerungstropfen
vergangener Zeit

eine Legende schlummert
in Dunkelhöhlen
träumt von Erlösung
und Dechiffrierung

schenk mir ein Zeichen
ins Schattenbewusstsein
zieh mich behutsam
ins Heimatland
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Resonanz

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Matt spiegeln sich Träume
im Fensterglas –

vorbeiziehende Wolken tragen
Sehnsucht ins Himmelsweit –

zwischen zwei Atemzügen
ein Knistern –

etwas tritt in Resonanz
und streichelt die Seele –

Gefühle tanzen voller Hingabe
in der Stille des Herzens –

eine Träne sucht den Weg
durchs Labyrinth
und hinterlässt liebend eine Spur
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Wartende Momente

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Wartende Momente ziehen vorbei
wie in einer Endlosschleife.

Ach könnte ich nur
einen einzigen Schritt setzen
auf neuer Spur,
in unbekanntes Land,
weg von ausgetretenen Pfaden –
mitten hinein,
in aufblühende Momente
verblassender Träume –
einen Weg bahnen
durch Schatten und Tränen,
mich selbst an der Hand nehmen
und gehen, immer weiter gehen
bis der Fluch der tausend Ängste
endlich restlos zerrinnt.
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Etwas bleibt

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Aus dem Radio dröhnt laut Musik.
Lauter, immer lauter dreht sie die Töne auf. Töne, die tief in ihre Seele dringen.
Sie singt mit, laut, immer lauter und sie möchte schreien, alles herausschreien, was in ihr bebt.

Manchmal gelangt sie an diesen Punkt, an dem es fast nicht mehr auszuhalten ist und dann muss es raus, all der Schmerz der seelischen Wunden, die nicht geweinten Tränen, auch Wut.
Alles was in ihr lebt und doch nie gelebt wurde, unterdrückt dahin schwelt wie ein Schwelbrand, der alles mit der Zeit verkohlt und zerstört, bis alles in Asche zerfällt.

Aber nein, nicht alles zerfällt, es bleibt etwas übrig. Immer bleibt etwas übrig, solange das Leben weitergeht.

Verflixt nochmal, immer diese Auslöser, die alles durcheinanderbringen, was sonst so schön versucht wird, unter Kontrolle zu halten. Dabei weiß sie doch ganz genau, dass das nicht möglich ist. Sie weiß auch wie schädlich es ist, aber sie kommt nicht dagegen an.

Alles gerät aus den Fugen. Es scheint, die Welt gerät aus den Fugen, also warum sollte sie dann verschont bleiben. Sie ist schließlich ein winzig kleines Teil dieser Welt, dieses Lebens, dieses Seins und somit kann sie gar nicht verschont bleiben.

Das Radio ist still, keine Töne mehr zu hören. Langsam ebbt die aufgewallte Woge ab. Sie schaut aus dem Fenster und beobachtet die schnell dahinziehenden Wolken, die ein wenig blauen Himmel freischaufeln. Die Blätter der Bäume wiegen sich im Wind hin und her.

Was jetzt, fragt sie sich selbst. Ein neuer Wellenzyklus beginnt. Ebbe und Flut, kommt ihr in den Sinn. Die Flut, die alles überfluten kann, wenn sie über das Ufer tritt und alles wegschwemmt, alles Geröll mit sich nimmt und immer einen Weg findet, weiter zu fließen, bis alles wieder abebbt und verrinnt.

Vielleicht sollte sie das Radio wieder anschalten und tanzen, nach den Tönen, der Melodie, die sie im Rhythmus davon trägt, mal schnell, mal langsam, dann wieder wild ekstatisch. Alles aus sich herausschütteln im Drehen, bis nichts mehr bleibt.

Ach ja, etwas bleibt immer, fällt ihr wieder ein und das ist gut so. Schließlich scheint die Sonne auch immer wieder in den Tag hinein nach dunkler Nacht, nach jedem Unwetter und wärmt mit ihren Strahlen, bringt Licht und lässt neues Leben gedeihen.
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Sternenblick

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Ein Blick ins Sternenmeer
ist wie ein Blick in die Unendlichkeit,
wie ein Schweben durchs Weltall,
durch Raum und Zeit –
wie ein Traum, der mich durchzieht,
indem die Sterne fallen,
an mir vorbei und durch mich durch –
oder
wie ein Fallen durch den Sternenraum,
tiefer und tiefer, schneller und schneller,
wie ein Sog ins uferlose Nirgendwo –
bis mich ein Leuchtstern
hält und fängt
und seine Lichtspur mich
auf neue Wege bringt.
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Poesie

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Ich mag Poesie,
die sich in zart-feinen Worten
offenbart
und als wärmendes Gefühl
sich in meine Seele legt,
mein Herz berührt und bewegt
und wie ein Zaubertrank
wieder etwas ins Leben holt,
das sich so lange
hinter Ängsten
und dunklen Schatten versteckt.
Es sind nicht die Worte,
es ist der Klang,
der tief in mich eindringt
und Stück für Stück
etwas aufbricht und wegbricht,
damit das Licht
wieder in mir
und aus mir
scheinen kann.
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Entgegensehen

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Wie versteckt sind deine Tränen,
die mich auch ungeweint erreichen
und tief in meine Seele tropfen.

Wenn du kommst, bin ich da –
die Bäume werden flüstern,
die goldenen Ähren sich wiegen
im sanften Abendwind.

Ineinander verwobene
Träume und Ängste
versinken im Glutrot
der untergehenden Sonne.

Eine Woge von Innigkeit
erfasst zitternde Nachtschatten,
die zärtlich umschlungen,
dem hellen Morgen
erwartungsvoll entgegensehen.
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Immer wieder ein Anfang??

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Vielleicht gibt es nie wirklich ein Ende

-von was auch immer-

sondern immer nur wieder einen Anfang
mit neuen Möglichkeiten und Chancen,
neuen, anderen Sichtweisen
aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet,
mit anderen Situationen, anderen Menschen.

Im Anfang stehen, immer wieder
und die Welt betrachten,
versuchen zu begreifen, zu verstehen –
ein nie wirklich endender Weg.
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Labyrinth

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Alles verändert sich,
alles vergeht –
in die Schatten der Erinnerung
dringt nur manchmal Licht,
um die verschlungenen Pfade im Labyrinth
der Illusionen zu durchleuchten.
Der Wind verweht alte Spuren
und legt neue frei –
noch hängen vereinzelt welke Blätter
vom letzten Herbst an den Bäumen,
bis bald neues Hoffnungsgrün
sie taumeln lässt.
Meiner Sehnsuchtsspur folge ich
unermüdlich durchs Labyrinth,
bis eine Mauer aufbricht
für eine erweiterte Sicht.
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Sehnsuchtstraum

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Manchmal nachts im Traum
versuche ich deinen Himmel zu erreichen,
aber ich finde ihn nicht,
verirre mich in dieser Endlosschleife
im Nirgendwo,
bis ich erwache in dunkler Nacht
und spüre dein Licht,
das in mein Herz leuchtet,
dann weiß ich,
dein Himmel ist so weit und grenzenlos
wie meine Sehnsucht
und manchmal verlier ich mich in ihr.
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Angekommen sein

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Ihr ganzes Leben lang fühlt sie sich fremd in der Welt,
aber in ihrem Herzen weiß sie,
da gibt es einen Ort, an dem sie sich nicht fremd fühlt,
da gibt es ein Zuhause, das ihr Heimat ist,
wo sie jederzeit willkommen ist und zugehörig.

Eine starke Anziehungskraft zieht sie immer wieder
in diese Richtung und sie weiß,
irgendwann ist sie angekommen,
an diesem Ort, der kein äußerer Platz ist,
sondern eine Begegnung
im DU.
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(Nochmal rausgekramt 🙂 )
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Still schweigt die Nacht

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Still schweigt die Nacht,
ihr Sterne, leuchtend und nah,
so wachet und hütet
im nächtlichen Sein,
bis das der Tag sich lichtet
und aller Irrtum gesichtet.

Viele Bahnen gezogen
in dunkler Nacht,
viele Tränen geweint
auch manchmal gelacht,
im Dunkeln gewandelt,
ihr Sterne wart mir Licht
und dankbare Zuversicht,
in eurem Strahlen Glanz
ich nachts Heimat fand.

Still schweigt die Nacht,
Mondlicht Dunkelheit bricht,
darin einsame Tränen glitzern,
zerstäubend unterm Sternenzelt,
Seelen sich weit öffnen –
Licht gemeinsamen Weg erhellt.
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(unverändert aus meinem Fundus)
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Rad der Zeit

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Manchmal scheint alles aus den Fugen zu geraten,
eine Richtung bekommt Aufwind,
die völlig entgegengesetzt der bereits eingeschlagenen Richtung läuft.

Wir versuchen das Ruder herumzureißen,
manchmal gelingt es, manchmal nicht.

Dinge geschehen, Ereignisse überschlagen sich,
Menschen kommen und gehen,
begleiten uns ein Stück des Weges,
um dann wieder zu verschwinden.
Das Leben lebt sich immer weiter –
tagein, tagaus, jahrein, jahraus.
Kleine, feine Erinnerungsmomente leuchten
in den Zeitenlauf, versuchen die dunklen Stunden
zu erhellen.

Was bleibt sind wir selbst,
mittendrin im Rad der Zeit,
mit unseren erkannten Irrtümern und Illusionen,
unseren Erfahrungen und Erkenntnissen,
aber auch unseren Möglichkeiten,
die zusammen mit unserer Hoffnung
weiter bestehen und unsere Träume neu beleben.
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Ein…

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ein Knistern
ein Flüstern
eine sanfte Berührung

Spur gelegt
Brücke geschlagen

ein Augenblick
ein Atemzug lang

innehalten

ein Spalt öffnet sich
zwischen den Worten
zwischen den Zeilen
zwischen zwei Gedanken

Wärme strömt
verströmt sich

eingefrorene Gefühle schmelzen
Tränen fließen

ins Auffangbecken
des Herzens
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Gedanken über Bruchstellen

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Es gibt manchmal kleinere Risse auf dem Lebensweg, die sind reparabel.
Größere Risse hingegen werden zu Bruchstellen und Bruchstellen sind Brüche.
Bruchstellen unterbrechen den Lebensweg, sind oft tief und abgründig.
Ein Bruch kann eine Aufforderung sein.
Er zeigt die Möglichkeit abzubrechen, aufzubrechen.

Es stellen sich Fragen:

Was bricht auf?
Was bricht ab?
Wohin führt der Weg?

Eine Veränderung steht an. Sie wirkt bedrohlich und befreiend zugleich.
Ungewissheit, die verunsichert.
Leerlauf ohne Richtung.
Verloren im Zeitenlauf.
Aufbrechen um anzukommen bei sich selbst.

Der Sprung über die Bruchstelle ins eigene Sein.
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Schatten

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Der Tag lacht mir in Himmelsblau entgegen
und lädt ein,
sich im Licht der strahlenden Sonne zu sehn.

Doch mein Herz ist sehnsuchtsschwer,
versucht vergeblich einen Ausweg zu finden
und die dunklen Schatten zu umgehn.
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Traumnacht

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Träume durchwandern die Nacht,
nehmen mich mit ganz sacht.

Mondsichel wiegt jeden Traumgedanken,
schickt sie weiter durch alle Schranken.

Sternschnuppen erkennen mein Sehnen,
grenzenlos sich meine Wünsche ausdehnen.

Funkelnde Sterne beleuchten Traumwege,
die ich so gern hoffnungsvoll betrete.

Morgenlicht weckt mich aus meinen Träumen.
Wo war ich, in welchen unbekannten Räumen?

Öffne das Fenster, atme klare Luft tief ein,
ein Lächeln huscht durch mein Sein.
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Treiben lassen

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Manchmal lasse ich mich treiben
bis das Leben mich wieder einfängt
und in eine Richtung weist.

Manchmal gehe ich in eine Richtung
bis das Leben mir zeigt,
wie schön es sein kann,
sich treiben zu lassen.

Manchmal ist es so
und manchmal ist es so,
nur eines ist nie wirklich:

Stillstand

auch wenn es hin und wieder so scheint.

Das Leben ist Bewegung
und ich fließe darin
wie in einem unaufhörlichem Strom
auf dem Weg in die grenzenlose offene Weite.
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Nebel

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Nebelverhangen beginnt der Tag,
lange bevor Lichter angehen.
Unruhige Nacht –
Gedanken zerreißen Schlaf,
bringen sich ein in Träume.

Langsam klart es auf,
da draußen,
wenn ich aus dem Fenster schau
und die Welt betrachte.
Doch wo ist die Klarheit,
die mein Denken beleuchtet –
wo die Worte, die mein Herz
zu formen sucht,
wo der Weg,
der mich nach Hause führt.
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Jetzt sitze ich hier..

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Jetzt sitze ich hier, höre Musik,
Musik die mir zu Herzen geht,
die zu meiner Stimmung und den Tränen passt.
Ich gehe rein in dieses Gefühl, in diese Sehnsucht,
lasse mich davon wegtragen.

Solange habe ich gewartet, mich zermartert,
bin geirrt und habe mich verirrt,
hab in meine Abgründe geschaut,
hab genau meine Fluchtwege erkannt.
Fluchtwege, die eben nur Fluchtwege sind.
Immer wieder und wieder diese Fluchtwege gerannt,
um etwas zu finden, das schon immer da war, da ist –
aber nur hin und wieder mal durchblitzt.

Da ist in mir dieses unerschütterliche ‘Etwas‘,
wie eine Flamme, die nie aufgehört hat zu züngeln,
trotz heftigster Stürme und sich immer wieder entfacht.

Jetzt sitze ich hier, bin aufgewühlt, so viel in Bewegung,
so viel was gerade geschieht,
bin froh und dankbar der kleinen ‘Wunder‘,
die das Leben manchmal bereithält,
vielleicht weil wir in einem winzigen Moment
offen und bereit sind –
trotz aller Fluchtwege und Irrwege,
aller Zweifel und Verzweiflung.
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Endlich losfahren

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Es ist nicht zu spät,
es ist an der Zeit.
Ein Zug fährt ein,
auf dem Bahnhof des Wartens.
Ich steige ein
und fahre, fahre endlich los.

Weißt du noch,
als du fragtest wohin die Reise geht
und ich es nicht wusste,
genauso wenig wie du.
Jetzt weiß ich es immer noch nicht so genau,
aber ich steige ein
und fahre, fahre endlich los.

Ich habe auf das Signal geachtet
und es steht auf grün,
grün wie die Hoffnung,
wie der Frühling mitten im Herbst.
Die Weiche ist gestellt,
der Zug rollt langsam an
und ich schaue
sehnsuchtsvoll
dieser Ausrichtung entgegen.
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Irrtum und Anfang

Der Irrtum und das Scheitern sind sozusagen etwas, was dem Leben(s)entwurf) inbegriffen ist. Darin liegt aber auch die Möglichkeit zur Umkehr/Rückkehr. Rückkehr zu mir selbst, vielleicht sogar erstmalig.

Wie oft leben wir ein Leben, das gar nicht zu uns passt und wie lange richten wir es uns gemütlich darin ein. Womöglich ohne zu merken, dass wir eigentlich gelebt werden, weil wir nach irgendwelchen Vorgaben leben, nach dem was von uns erwartet wird oder als Flucht in eine Art fröhliche Scheinwelt. Doch irgendwann taucht da plötzlich so ein komisches Gefühl auf, dass etwas nicht stimmig ist, vielleicht auch ausgelöst durch ein Ereignis. Und plötzlich passt unser ganzes bisheriges Lebenskonzept nicht mehr. Was folgt ist Erschütterung und Leere, Orientierungslosigkeit. Wir treiben ziellos, orientierungslos auf offenem Meer. Jeden Moment könnte eine riesen Welle uns verschlucken und vielleicht wäre uns das gar nicht so unrecht, obwohl es auch Angst macht. Wir möchten am liebsten verschwinden, möchten fliehen, weil es nicht auszuhalten ist in diesem Zustand, weil dieser Zustand uns unerträglich wird. Wir rudern im Ozean, mal treibt es uns in diese, mal in jene Richtung, wir erschöpfen uns daran, verlieren an Kraft. Dann fühlen wir uns verloren, immer mehr, kurz vor dem Untergang, fremd in der Fremde, wie eh und je.

Wie also ans rettende Ufer gelangen? Wir könnten um Hilfe rufen und uns ans Ufer ziehen lassen, aber ist das Rettung? Irgendwo ausgesetzt werden, wo wir gar nicht hin wollten, wieder in der Fremde, in der wir uns unwohl fühlen, nur weil die Rettenden meinen, uns einen Weg vorgeben zu müssen, der für uns gut und richtig wäre?
Ist jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, um innezuhalten?

Stille

..und nochmals Stille

Stille, Ruhe, Innehalten, aber kein Erstarren..

Warten, bis sich etwas von sich aus zeigt, etwas, das uns in eine bestimmte Richtung zieht, aber ohne fremd gezogen zu werden.
Eine Richtung oder ein Geschick, das uns bestimmt ist, für das wir einstehen und uns entscheiden, ein Wagnis.

Nunja, für mich auch ein Wagnis diese Zeilen zu schreiben und zu veröffentlichen.
Ein Wagnis, weil die Möglichkeit als Irrtum inbegriffen ist, weil ich womöglich nicht richtig erkannt oder verstanden habe. Mit meinem Philosophenfreund habe ich viel darüber diskutiert in der Vergangenheit, viel darüber nachgedacht. Die Gedanken brauchten viel Zeit zum Reifen, ob sie schon reif genug sind, um darüber zu schreiben weiß ich nicht, aber sie reifen ja noch weiter.

Ich bin auf dem Weg, schon lange, einem Weg voller Irrtümer, immer wieder. Ich habe gelernt zu warten, aber manchmal auch zu lange zu warten, weil mir oft der Mut fehlte für einen nächsten weiteren Schritt. Es ist eher eine vage Ahnung, die mich in eine Richtung zieht und ich bin vorsichtig, weil schon so oft gescheitert. Ich taste mich langsam durch den Nebel, wirklich sehr langsam, und so manches Mal wünschte ich mir, dass nicht der Nebel, sondern ich mich auflöse, aber es ist die Nebelwand, die ich durchdringen muss.

Die Wahrheit ist einfach, sagt man, ist sie wohl auch, aber schwer im Vollzug.

Ich bleibe dran und ich schreibe, endlich, endlich bin ich wieder ins Schreiben gekommen,
nach ewig langer Schreibblockade, nach Qual und Drang. Ein Anfang, ein kleiner Anfang, ein winziger Schritt, aber ein Schritt, der für mich wichtig ist, um nicht gänzlich unterzugehn oder in Erstarrung zu verharren.

Der Zweig

Ich hob auf den alten Zweig
den du einst auf den Boden gelegt-
gemalt in zarten Farbtönen
und in Worte gekleidet,
betrachtete ich andächtig sein Bild,
welches so viel Wärme ausstrahlte
und mich lächeln ließ.

Nun hebe ich wieder auf den alten Zweig,
der einst gelegen am Boden-
es ist kalt geworden
in dieser Stille,
in der etwas in mir aufbricht,
mir die Verzweigung zeigt
in meiner Verzweiflung
und die mich schonungslos versucht
wachzurütteln.

Revision

Ich habe den Eindruck, dass ich mal Revision machen muss in meinem Leben.
Irgendetwas läuft gewaltig schief.
Nicht nur, dass ich mich wohl auch irgendwie festgefahren habe, da ist noch viel mehr.

Vielleicht hilft mir der bevorstehende Urlaub ein wenig, wieder mehr Klarheit in mein Leben zu bekommen.
Ich hab mich auf meinem Weg verloren, bin zu sehr abgedriftet.

Genau das, was ich nicht wollte, wo ich dachte es zu erkennen und im Griff zu haben, genau das ist geschehen. Wieder und immer wieder, wie ein Sog hat es mich weggezogen.
Es ist so einfach, sich in seinen Vorstellungen und Wünschen zu verlieren, dabei ist es der größte Irrtum schlechthin.

Andererseits ist da aber auch etwas in mir, was raus möchte, was gelebt werden möchte.
Und dann diese tiefe Sehnsucht, die mehr und mehr Raum nimmt.

Da ist wohl zu viel durcheinander gepurzelt in meinem Leben. Vielleicht habe ich für viel Unnötiges zu viel Platz gemacht.
Ich könnte einen Kompass gebrauchen oder besser gesagt, ich muss lernen mit meinem inneren Kompass richtig umzugehen. Und ich muss aufräumen, aussortieren. Es kommt mir vor, als hätte ich mich selbst zugemüllt. Nun hat sich so viel angesammelt, dass ich kaum noch durchsteige und momentan überhaupt nicht weiß, wo ich eigentlich anfangen soll……………………………….

Wege

Wege gehend

Lebenswege
Irrwege
Umwege
Scheidewege
Sackgassen
Einbahnstraßen
Kreuzwege
Verzweigungen

..
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Kann ein Weg je zu Ende gegangen sein,
außer mit dem letzten Atemzug?