Mut

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Schieb den Schatten
von der Seele
bevor du erstickst
bevor es zu spät

schieb die Wolken
fang den Lichtstrahl ein
flieh mit dem Wind
aus zu engem Gewand

greif nach dem Leben
lass es nicht
durch die Finger rinnen
solange Sehnsucht brennt

du bist nicht verloren
wenn jemand an dich denkt
der Himmel dich küsst
und Liebe sich schenkt
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Innenschau

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Schau
der Mond wandert über den See
ein Uhu ruft und zerreißt die nächtliche Stille
gespenstisch lacht ein Spiegelbild im Dunkeltraum
Bäume kichern knarzend im Wind
aufgescheuchte Nachtvögel flattern
hinter zitternden Augenlidern
Schatten steigt auf wie eine drohende Wolke –

Schau
Sterne beugen sich in den Morgen
Asche fällt vom Himmel wie verbrannte Ängste
nichts bleibt wie es war, bis ein Sturm
den Grauschleier von der Seele fegt
die Kammern des Herzens wieder belebt
und wie von einem Blitzstrahl getroffen
ein Leuchten durch den Innenraum zieht
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Worte malen

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Worte malen
zwischen Regentropfen
und Schneeflocken –
helle Worte,
die im Grau der Tage
leuchten –
bunte Worte,
die einen Regenbogen zaubern
in empfänglichen Herzen –
wärmende Worte,
die in einen kühlen
Novembertag fallen
und sich ausspannen
wie ein Netz aus Zärtlichkeit,
das hält und trägt
über alle Abgründe und Klippen.
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Wartende Momente

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Wartende Momente ziehen vorbei
wie in einer Endlosschleife.

Ach könnte ich nur
einen einzigen Schritt setzen
auf neuer Spur,
in unbekanntes Land,
weg von ausgetretenen Pfaden –
mitten hinein,
in aufblühende Momente
verblassender Träume –
einen Weg bahnen
durch Schatten und Tränen,
mich selbst an der Hand nehmen
und gehen, immer weiter gehen
bis der Fluch der tausend Ängste
endlich restlos zerrinnt.
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Zeichen

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So gern würde ich
Zeichen
in den Himmel schreiben –
zwischen Mond und Sterne
eine Spur legen
in leuchtenden Lettern,
damit das Innere nach außen dringt,
die Wortlosigkeit sich in Bewegung setzt
und etwas von der Schwere nimmt.
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Eingesponnen

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Eingesponnen wie in einem Kokon
träume ich dich –
spüre dich durch deine Worte,
die in meiner Seele schlummern,
mir Balsam sind und Wärme zugleich –
so bist du mir jederzeit nah
zwischen Hier und Dort,
jedem Buchstaben, jedem Wort –
bis vielleicht eines Tages,
wenn Mut Feigheit verdrängt,
die Hülle zerplatzt, die Masken fallen
und wir uns finden an befreitem Ort.
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Labyrinth

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Alles verändert sich,
alles vergeht –
in die Schatten der Erinnerung
dringt nur manchmal Licht,
um die verschlungenen Pfade im Labyrinth
der Illusionen zu durchleuchten.
Der Wind verweht alte Spuren
und legt neue frei –
noch hängen vereinzelt welke Blätter
vom letzten Herbst an den Bäumen,
bis bald neues Hoffnungsgrün
sie taumeln lässt.
Meiner Sehnsuchtsspur folge ich
unermüdlich durchs Labyrinth,
bis eine Mauer aufbricht
für eine erweiterte Sicht.
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Gedanken über Bruchstellen

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Es gibt manchmal kleinere Risse auf dem Lebensweg, die sind reparabel.
Größere Risse hingegen werden zu Bruchstellen und Bruchstellen sind Brüche.
Bruchstellen unterbrechen den Lebensweg, sind oft tief und abgründig.
Ein Bruch kann eine Aufforderung sein.
Er zeigt die Möglichkeit abzubrechen, aufzubrechen.

Es stellen sich Fragen:

Was bricht auf?
Was bricht ab?
Wohin führt der Weg?

Eine Veränderung steht an. Sie wirkt bedrohlich und befreiend zugleich.
Ungewissheit, die verunsichert.
Leerlauf ohne Richtung.
Verloren im Zeitenlauf.
Aufbrechen um anzukommen bei sich selbst.

Der Sprung über die Bruchstelle ins eigene Sein.
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Tiefseetaucher

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Es gibt Entscheidungen im Leben,
die tragen so schwer,
dass du dich lange Zeit unbemerkt
von dir selbst entfernt hast.

Wieso hast du es nicht bemerkt?

Ich habe es bemerkt,
schon sehr lange sogar,
aber ich war nicht fähig, etwas zu tun,
bin es immer noch nicht wirklich.

Was hält dich zurück?

Eine Moral, die mir eingepflanzt wurde,
Angst, die wieder und wieder geschürt wurde,
ein ganzes Weltbild, das mir eingebrannt wurde
…und alles nur,
um mich vor dem Untergang zu bewahren.
Dabei hat niemand bemerkt,
dass ich schon längst
durch die tiefsten Tiefen tauche
und am Untergehen bin.

Und nun?

Ich habe in den tiefsten Tiefen
viel Verschüttetes entdeckt,
das an die Oberfläche möchte
und gelebt werden möchte.
Nun versuche ich es zu befreien
und damit aufzutauchen.

Ob es gelingt?

Das kann ich nicht beantworten,
aber es wäre schön.
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Irrtum und Anfang

Der Irrtum und das Scheitern sind sozusagen etwas, was dem Leben(s)entwurf) inbegriffen ist. Darin liegt aber auch die Möglichkeit zur Umkehr/Rückkehr. Rückkehr zu mir selbst, vielleicht sogar erstmalig.

Wie oft leben wir ein Leben, das gar nicht zu uns passt und wie lange richten wir es uns gemütlich darin ein. Womöglich ohne zu merken, dass wir eigentlich gelebt werden, weil wir nach irgendwelchen Vorgaben leben, nach dem was von uns erwartet wird oder als Flucht in eine Art fröhliche Scheinwelt. Doch irgendwann taucht da plötzlich so ein komisches Gefühl auf, dass etwas nicht stimmig ist, vielleicht auch ausgelöst durch ein Ereignis. Und plötzlich passt unser ganzes bisheriges Lebenskonzept nicht mehr. Was folgt ist Erschütterung und Leere, Orientierungslosigkeit. Wir treiben ziellos, orientierungslos auf offenem Meer. Jeden Moment könnte eine riesen Welle uns verschlucken und vielleicht wäre uns das gar nicht so unrecht, obwohl es auch Angst macht. Wir möchten am liebsten verschwinden, möchten fliehen, weil es nicht auszuhalten ist in diesem Zustand, weil dieser Zustand uns unerträglich wird. Wir rudern im Ozean, mal treibt es uns in diese, mal in jene Richtung, wir erschöpfen uns daran, verlieren an Kraft. Dann fühlen wir uns verloren, immer mehr, kurz vor dem Untergang, fremd in der Fremde, wie eh und je.

Wie also ans rettende Ufer gelangen? Wir könnten um Hilfe rufen und uns ans Ufer ziehen lassen, aber ist das Rettung? Irgendwo ausgesetzt werden, wo wir gar nicht hin wollten, wieder in der Fremde, in der wir uns unwohl fühlen, nur weil die Rettenden meinen, uns einen Weg vorgeben zu müssen, der für uns gut und richtig wäre?
Ist jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, um innezuhalten?

Stille

..und nochmals Stille

Stille, Ruhe, Innehalten, aber kein Erstarren..

Warten, bis sich etwas von sich aus zeigt, etwas, das uns in eine bestimmte Richtung zieht, aber ohne fremd gezogen zu werden.
Eine Richtung oder ein Geschick, das uns bestimmt ist, für das wir einstehen und uns entscheiden, ein Wagnis.

Nunja, für mich auch ein Wagnis diese Zeilen zu schreiben und zu veröffentlichen.
Ein Wagnis, weil die Möglichkeit als Irrtum inbegriffen ist, weil ich womöglich nicht richtig erkannt oder verstanden habe. Mit meinem Philosophenfreund habe ich viel darüber diskutiert in der Vergangenheit, viel darüber nachgedacht. Die Gedanken brauchten viel Zeit zum Reifen, ob sie schon reif genug sind, um darüber zu schreiben weiß ich nicht, aber sie reifen ja noch weiter.

Ich bin auf dem Weg, schon lange, einem Weg voller Irrtümer, immer wieder. Ich habe gelernt zu warten, aber manchmal auch zu lange zu warten, weil mir oft der Mut fehlte für einen nächsten weiteren Schritt. Es ist eher eine vage Ahnung, die mich in eine Richtung zieht und ich bin vorsichtig, weil schon so oft gescheitert. Ich taste mich langsam durch den Nebel, wirklich sehr langsam, und so manches Mal wünschte ich mir, dass nicht der Nebel, sondern ich mich auflöse, aber es ist die Nebelwand, die ich durchdringen muss.

Die Wahrheit ist einfach, sagt man, ist sie wohl auch, aber schwer im Vollzug.

Ich bleibe dran und ich schreibe, endlich, endlich bin ich wieder ins Schreiben gekommen,
nach ewig langer Schreibblockade, nach Qual und Drang. Ein Anfang, ein kleiner Anfang, ein winziger Schritt, aber ein Schritt, der für mich wichtig ist, um nicht gänzlich unterzugehn oder in Erstarrung zu verharren.

Komm zurück

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Komm zurück ‚Astronaut‘,
die Sterne leuchten auch von hier…
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Eigentlich gehört dieses Post ja an andere Stelle,
an einen Platz den du kennst,
wo du immer mit deinem Raumschiff landen kannst,
wo du immer und jederzeit willkommen bist,
wo jemand seine Arme ausbreitet
und dein verschlissenes Herz
mit Liebe umfängt…

Komm zurück ‚Astronaut‘,
die Sterne leuchten von überall
und dein Licht leuchtet in mir…
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