Grenzenlose Freiheit

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Heute hätte meine Oma Geburtstag. Sie ist schon viele, viele Jahre tot. Immer an ihrem Geburtstag denke ich besonders an sie und die schönen Erinnerungen holen mich ein.

Als Kind habe ich viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht, nach der Schule, in den Ferien und einmal sogar mehrere Wochen oder Monate, weil es meiner Mutter sehr schlecht ging. Ich war sehr gern bei meinen Großeltern und mochte sie sehr und sie mich.
Das schönste war der große Garten den sie hatten. Dort gab es eine Schaukel, die ich über alles liebte. Stundenlang saß ich darauf und bin in die Lüfte geflogen, höher, immer höher, bis ich in meiner Fantasiewelt angelangt war. Ich war Pippi Langstrumpf in meiner Fantasie.
Immerhin hatte ich damals sogar ein wenig Ähnlichkeit mit ihr, mit meinen Flechtzöpfen und den gesprenkelten Pünktchen im Gesicht. Auch Pippis Freunde waren dabei, als imaginäre Freunde, mit denen ich in meinen Gedanken sprach, spielte, herumtollte. Es war nie langweilig und immer wieder faszinierend.
Ich flog und flog über alle Grenzen hinweg. Ja, auf meiner Schaukel war ich frei und alles war so leicht. Es war die grenzenlose Freiheit, die ich genoss und so sehr liebte. Ich konnte fliegen, niemand kam und störte mich oder ermahnte mich, versuchte mich zurechtzuweisen.

Bereits als Kind trägt man Last und Sorge und je älter man wird, kommt umso mehr dazu. Die Leichtigkeit des Seins geht mehr und mehr verloren. Die grenzenlose Freiheit und Leichtigkeit gibt es nur in Fantasien, aber da gibt es sie und dort kann sie auch niemand wegnehmen. Dort in dieser eigenen Traum- und Fantasiewelt liegt ein Schatz verborgen, liegt die Quelle der Kraft. Wie gern versinke ich hin und wieder noch heute darin, aber nicht um mich zu verlieren, sondern als Rückzugsort, um dem Geheimnis und der Schönheit meiner eigenen verborgenen Schätze ein Stück näher zu kommen und zu staunen.

So bin ich zwar heute nicht mehr die kleine Pippi Langstrumpf von damals mit ihren imaginären Freunden, aber in mir lebt immer noch dieser Traum von grenzenloser Freiheit und Leichtigkeit. Darin toben sich die verrückten Flausen aus, schaukeln sich hoch bis zu den Sternen, lassen mich fliegen ohne Ballast und jedes Mal, wenn ich wieder daraus auftauche habe ich ein klein wenig davon mitgenommen in die Welt, in mein Herz, in das Leben.
Jedes Mal wenn ich an einer Schaukel vorbeikomme fühle ich mich davon magisch angezogen und möchte fliegen, genauso wie bei einem Kettenkarussell. Hin und wieder erlaube ich es mir tatsächlich, nicht nur in meiner Fantasie und dann fliege ich, bin für einen Moment wieder ein Kind und mitten in der grenzenlosen Freiheit und Leichtigkeit des Seins.
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Tiefseetaucher

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Es gibt Entscheidungen im Leben,
die tragen so schwer,
dass du dich lange Zeit unbemerkt
von dir selbst entfernt hast.

Wieso hast du es nicht bemerkt?

Ich habe es bemerkt,
schon sehr lange sogar,
aber ich war nicht fähig, etwas zu tun,
bin es immer noch nicht wirklich.

Was hält dich zurück?

Eine Moral, die mir eingepflanzt wurde,
Angst, die wieder und wieder geschürt wurde,
ein ganzes Weltbild, das mir eingebrannt wurde
…und alles nur,
um mich vor dem Untergang zu bewahren.
Dabei hat niemand bemerkt,
dass ich schon längst
durch die tiefsten Tiefen tauche
und am Untergehen bin.

Und nun?

Ich habe in den tiefsten Tiefen
viel Verschüttetes entdeckt,
das an die Oberfläche möchte
und gelebt werden möchte.
Nun versuche ich es zu befreien
und damit aufzutauchen.

Ob es gelingt?

Das kann ich nicht beantworten,
aber es wäre schön.
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