Momente des Glücks

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Wenn wir die Tage rückwärts zählen,
die Vergangenheit sich löscht,
können wir dann das Glück einfangen
oder ist es trotzdem schnell wieder weg.

Nichts ist so flüchtig,
wie Momente des Glücks
und wie schön, wenn ein Augenblick
dieser Erfüllung uns streift.

Wie Schätze sammeln wir die Erinnerung
an Besonderheiten, die uns nähren,
von Nähe, die Schatten verwischt
und lächelnder Spuren im Gesicht.

Was könnte schöner sein,
als der Moment der Berührung
zweier Seelen, die sich einander
halten und in der Tiefe spüren.
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Kindheitserinnerungen II

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Ich stehe fröstelnd am Fenster.
Zwischen den noch kahlen Bäumen auf dem Friedhofsplatz
leuchtet verschwommen der Mond.
Auf den Gräbern flackern vereinzelt Lichter.
Vom Himmelszelt funkeln Sterne
in diese eine, fast klare, dunkle Nacht
dieser Besuchstage im Elternhaus.
Erinnerungen vermischen sich mit Jetzt-Blicken,
versetzen mich zurück in meine Kinderzeit.

Auch da stand ich oft lange fröstelnd nachts am Fenster,
ließ mich einfangen von Mondlichtstimmungen und Grabesstille,
bis mich die Müdigkeit überfiel und ich in den Schlaf sank.
Morgens weckte mich das Gurren der Holztauben
und die großen Uhus auf den Friedhofsbäumen stießen
ihren gespenstischen Schrei in die Stille,
bevor sie im Tageslicht verstummten.

Alles ist mir so vertraut, nur die Uhus gibt’s heute nicht mehr.
Weit in der Ferne rauscht ein Zug vorbei,
Autos rattern schneller und lauter über die unebene Straße. –
Der Tag erwacht, die Stimmungen der Nacht sind in mir verankert
und leben in mir, werden immer sein, egal an welchem Ort ich mich befinde.
Manches erscheint genauso, als wäre die Zeit stehengeblieben,
anderes im Außen und Drumherum hat sich verändert.
Die elementaren Fragen von damals bleiben bis heute
beim Blick in die Sterne, in die Weite.

Erinnerungen leben auf und verblassen wieder,
alles kommt und vergeht,
Gräber verschwinden, neue entstehen –
Leben und Tod
und über allem die Sterne,
ewiglich funkelnd in die Stille der Nacht.

Manchmal frage ich mich, ob es mich geprägt hat,
direkt neben dem Friedhof groß geworden zu sein,
mit Blick auf den Tod, das Vergehen, die Grabesstille,
das Spüren von Stimmungen und Leid,
bis hin zur Freude, der mit Blumen geschmückten Gräber,
die im Erblühen von Leben und Schönheit zeugen.
Es hat mir nie Angst gemacht, macht es auch heute nicht,
es ist gerade so, als wäre der Tod mir schon immer vertraut
mit seinem Geheimnis und in seiner Melancholie.
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Sternenwelt

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So weit weg seid ihr Sterne mir,
so grenzenlos und unerreichbar
und doch auch so nah.
So sehr spüre ich etwas
von Heimat und Zuhause
beim Blick in die unendliche Weite.

So verborgen liegt ein Geheimnis
im Funkeln der Sternenwelt
und ein vages Ahnen befällt mich,
schleicht sich ein wie verloren
gegangene Erinnerungen,
einer vergessenen, anderen Welt.
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Kindheitserinnerung

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Als Kind fuhr ich gerne Schlittschuhe, drehte kleine Pirouetten und fühlte mich in meiner Fantasie wie eine kleine Eisprinzessin. Damals wurde im Freibad das Wasser im Winter nicht abgelassen und das Bad war frei zugänglich. Es gab noch lange, frostige Winter, sodass alles zu dickem Eis gefror. Tagsüber hatte ich nicht so viel Freude, denn viele Kinder waren unterwegs auf dem Eis, spielten Eishockey oder liefen im Kreis ihre Runden oder schlitterten einfach so mit Schuhen übers Eis. Da hatte ich kaum Platz, um meiner Fantasie freien Lauf zu lassen, in diesem lärmenden Gewusel.

Also wartete ich oft, bis die Dämmerung einsetzte und fuhr am liebsten abends im Dunkeln. Da war ich ganz allein auf dem Eis. Das Dorf schien schon zu schlafen, es war kaum jemand unterwegs bei der Kälte. Dick eingemummelt machte ich mich auf den Weg. Manchmal schien der Mond ganz hell und ein klarer Sternenhimmel über mir versetzte mich in eine andere Welt. Ich lief und drehte mich auf dem Eis und übte kleine Kunststücke, sodass ich die frostig, klirrende Kälte kaum wahrnahm. Alles war wie eine Zauberwelt, in die ich eintauchte. Ein bisschen gruselig war es auch, so allein im Dunkel und der Kälte, alles schien so still, einsam und verlassen. Aber die Angst konnte mich nicht besiegen, eher dann doch die Kälte und die Ermahnung meiner Eltern, nicht so lange zu bleiben.

Irgendwann geht alles vorbei und ich musste mich auf den Nachhauseweg machen, froh, beschwingt und glücklich und irgendwann ist auch die Kindheit und Unbeschwertheit vorbei, aber die schönen Erinnerungen bleiben.
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Traumversunken

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Traumversunken lausche ich
dem Lied in mir,
schaue Farben in Schattierungen,
brenne lichterloh im Gefühl
der Verlorenheit eines nie
dagewesenen Augenblicks,
indem ich mich wieder
und wieder finde –
wie eine Erinnerung
aus längst vergessener Zeit,
wie eine Umarmung des Glücks,
wie eine Regung der Seele
äonenlang eingebrannt
und eine Spur zeichnend
durch Zeit und Raum.
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Zurück

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Herbstlich kühle Luft empfängt mich.

Meine Seele ist noch in Sonnenerinnerung getaucht
und braucht ein bisschen Zeit zur Eingewöhnung.

Jede Nacht klarer Himmel,
Mond und Sterne in ihrer Pracht zu bewundern,
warm umspielte Winde,
die mir Träume flüsterten,
die ich versuche zu bewahren,
in meinem Herzen.
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Mondnacht

Mondnacht

Ich werde mich erinnern

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Ich werde mich erinnern,
wieder und wieder,
an die Weite,
den Horizont,
die sanften Wellenbewegungen
des Flusses,
der nicht nur das Mondlicht spiegelt,
sondern auch die Tiefe
meiner Gefühle
im Klang einer Melodie,
die nicht nur mein Ohr erreicht,
sondern weit mehr bewegt
und berührt,
als die Oberfläche und den Schein –
eine Stimmung,
ausgelöst und weitergetragen
von dir zu mir,
von mir zu dir
in der Spiegelung
unseres inneren Wesens
im flirrenden, strömenden Sein.
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Kleine Osterpause

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Flieder
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Ich wünsche allen Lesern schöne Ostertage.

Ein paar Tage zurück
in die Kindheit,
ins weit entfernte Elternhaus,
schlafen im alten Kinderzimmer,
bei den Eltern sein,
Kind sein –
Erinnerungen, die einholen
und aufleben,
Geräusche, Gerüche,
die Zeit,
als wäre sie stehen geblieben
und doch jedes Jahr mehr
die Spuren der Vergänglichkeit
und das Hoffen,
auf ein gesundes Wiedersehen.
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Einst..

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Im Winter suchte ich den Frühling,
jetzt klopft er an die Tür –
ich lass ihn rein
und meinen Innenraum durchfluten
mit Sonnenlicht so hell und warm
und meine Seele setzt die Segel,
nimmt Kurs in Richtung Sommerland,
wo einst in klaren, lauen Nächten
sich ein Zauber um mich legte
und seitdem als Erinnerung
tief in mir
für immer brennt.
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Labyrinth

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Alles verändert sich,
alles vergeht –
in die Schatten der Erinnerung
dringt nur manchmal Licht,
um die verschlungenen Pfade im Labyrinth
der Illusionen zu durchleuchten.
Der Wind verweht alte Spuren
und legt neue frei –
noch hängen vereinzelt welke Blätter
vom letzten Herbst an den Bäumen,
bis bald neues Hoffnungsgrün
sie taumeln lässt.
Meiner Sehnsuchtsspur folge ich
unermüdlich durchs Labyrinth,
bis eine Mauer aufbricht
für eine erweiterte Sicht.
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Sternenband

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Für einen winzigen Moment
schien mein Herz stillzustehen.
Schnell flocht ich ein Band
aus Sternen,
damit ich den Weg nicht verlier
entlang der Fantasie,
die manchmal absinkt
in leere Gemächer –
dann hangle ich mich wieder
am Sternenband nach oben
durch leuchtende Räume
voller Inspirationen,
die eingewoben sind
in all die vielen Sterne,
damit sie nicht verloren gehen
und wir sie jederzeit
in uns und im anderen
wieder finden,
um das Geheimnisvolle
miteinander zu verbinden.

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Zurück

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Wieder zurück aus der Blogpause, aber noch nicht ganz angekommen, möchte ich hier ein paar Zeilen hinterlassen, die während meiner Abwesenheit entstanden sind.
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In mir ist gerade eine friedliche Stimmung
von Ruhe und Ausgeglichenheit.

Der Wind kräuselt ein wenig
die glatte Wasseroberfläche
und meine Gedanken schweifen in die Ferne –

verweilen an Erinnerungsplätzen
voller Schönheit und Liebe,
die Du in mich gelegt hast,
wie einen Traum.

Etwas in mir leuchtet auf,
wie eine weit entfernte Sonne,
die in meinem Herzen glüht
und mich durch mein eigenes Wesen führt.
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Erinnerungen

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Sehnsuchtsschwer schau ich
in den grauen Novemberhimmel.
Erinnerung an Sommerträume
halten mich wach
und ein Lächeln huscht vorbei,
wenn ich daran denke,
wie langsam die Liebe
in mein Herz zog,
die du in mir entfacht
und ich endlich begriff,
dass alles zuvor
nur ein Abklatsch von Liebe,
gesponnen aus Wunschgedanken,
war.
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Wie eine Feder

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Wie eine Feder tanzend im Wind
entschwebe ich an einen Ort
in meinen Träumen,
wo wir wie Kinder einst in Märchen
in eine Welt entrückt,
über Wolkenberge stapfen
am Mond vorbei durchs Sternenmeer
Planetenhüpfen spielen,
wo wir mit staunend Blick
gemeinsam, schützend
dem Geheimnis auf der Spur
in Abenteuer stürzen.

Wie eine Feder tanzend im Wind
entschweben meine Gedanken,
wie einst in Träumen
vom schwerelosen Glück,
wo DU und ICH uns finden
und alle Grenzen,
von unsichtbar bis unüberbrückbar
zusammen, schützend
der Herzspur folgend,
mutig überwinden.
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Ein einsamer Stern

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Ein älterer Text neu aufgerollt. 😉

Ein einsamer Stern leuchtet am nächtlichen Himmelszelt bis er in der Morgendämmerung langsam verblasst.
Im grellen Tageslicht der alltäglichen Pflichten und Geschäftigkeiten strahlt er, unsichtbar und vergessen von der Welt, beständig weiter.
In manchen klaren Nächten, wenn das Mondlicht sich spiegelt im Fluss des Lebens, erinnert der Stern an etwas Verborgenes, Verlorenes. Dann leuchtet der einsame Stern mit Milliarden anderen Sternen in diesen Sehnsuchtsraum und weckt Erinnerungen. Alles verschwimmt zu einem einzigen Lichtermeer und ruft ein Gefühl von Staunen, Ergriffenheit und von Verbundenheit hervor.

Fragen tauchen auf und suchen nach Antworten.

Ein Rufen dringt in die Weiten des Universums und reiht sich Tönen gleich zu einer bunten Klangmelodie aus Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten.
Je mehr das Spektrum der Klangmelodien auf Übereinstimmung treffen, umso mehr entsteht eine Anziehungskraft, wie von zwei Sternen, die sich auf Kollisionskurs aufeinander zu bewegen.

So entsteht jedes Mal, wenn zwei einsame Sterne sich anziehen und kollidieren, ein Leuchtfeuer aus Lebendigkeit, um an etwas verloren Gegangenes zu erinnern, welches jederzeit neu enthüllt werden kann.
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Freude

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Er sagte zu ihr: Das schlimmste was dir passieren kann ist, wenn dir jemand die Freude nimmt. Lass das nie zu.

Sie kennt das, weiß, wie sich das anfühlt und dass es nicht gut ist, kann nur bestätigen, was er ihr sagt. Trotzdem versetzt es ihr in dem Moment einen Stich. Sie fühlt sich getroffen, betroffen, wie eine Erinnerung oder Ermahnung.

Dabei meint er gar nicht sie, sondern spricht von sich selbst, spricht von seiner eigenen Situation und doch fühlt sie sich angesprochen, als wäre es für sie bestimmt.
Sie überlegt, ob er nicht auch sie meint. So ist es oft, er erzählt von sich und seinen Erfahrungen und fast immer fühlt sie sich in irgendeiner Art und Weise angesprochen.

Zwischen ihnen besteht eine starke Verbundenheit und großes Verständnis, jedenfalls empfindet sie das so. Indem sie sich angesprochen fühlt, versteht sie und kann aus diesem Verstehen heraus antworten. Hin und wieder geht ihr das auch mit anderen so, aber bei niemand ist es so wie mit ihm. Im Verstehen und auf jemanden eingehen liegt eine große Spanne.

Trotz vieler Höhen und Tiefen, vieler ernüchternder Gespräche, überwiegt die Freude und Dankbarkeit, die diese Begegnung und Freundschaft in sich trägt und doch scheint die Freude bei beiden in den Hintergrund gerückt zu sein. Nicht die Freude aneinander ist geschwächt, sondern die jeweiligen Umstände und Lebenssituationen in denen sie sich befinden, lässt immer wieder die Freude schwinden. Genau das ist ihr in dem Moment klar geworden, als er davon sprach, sich nie die Freude nehmen zu lassen.

Es geht ihm nicht gut und ihr geht es ähnlich. Beide drehen sich im Kreise um sich selbst, um ihre Sorgen und Probleme, um ihre Lebenssituation und darum, eine Lösung zu finden oder sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Damit entfernen sie sich nicht nur von der Freude selbst, sondern auch von ihrer eigenen Mitte und Miteinander in Freude.

Sie weiß jetzt, was sie zu tun hat.
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Rad der Zeit

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Manchmal scheint alles aus den Fugen zu geraten,
eine Richtung bekommt Aufwind,
die völlig entgegengesetzt der bereits eingeschlagenen Richtung läuft.

Wir versuchen das Ruder herumzureißen,
manchmal gelingt es, manchmal nicht.

Dinge geschehen, Ereignisse überschlagen sich,
Menschen kommen und gehen,
begleiten uns ein Stück des Weges,
um dann wieder zu verschwinden.
Das Leben lebt sich immer weiter –
tagein, tagaus, jahrein, jahraus.
Kleine, feine Erinnerungsmomente leuchten
in den Zeitenlauf, versuchen die dunklen Stunden
zu erhellen.

Was bleibt sind wir selbst,
mittendrin im Rad der Zeit,
mit unseren erkannten Irrtümern und Illusionen,
unseren Erfahrungen und Erkenntnissen,
aber auch unseren Möglichkeiten,
die zusammen mit unserer Hoffnung
weiter bestehen und unsere Träume neu beleben.
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Stimmungen

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Stimmungen treten auf,
überfallen einen plötzlich,
stimmen ein,
versetzen in Erinnerungen
oder enthalten Ahnungen,
treffen ins Gemüt.

Meine Stimmung steht auf Abschied,
Wehmut, Melancholie
in vielerlei Hinsicht.

Die paar Tage, die ich verreist war haben mir gut getan,
aber auch viele Erinnerungen hervorgeholt, bis in meine Kindheit.

Es war ein bisschen wie ein Lebensrückblick. Vielleicht lag es auch daran,
dass ich in meiner alten Heimat war. Da bin ich zwar fast jedes Jahr einmal,
aber diesmal war etwas anders als sonst.

Vielleicht ist mir auch beim nächtlichen Blick in die Weiten des Sternenhimmels
diesmal ganz besonders die Vergänglichkeit aller Dinge klar geworden,
klarer als sonst.

Es war eine Mischung aus Wehmut und Dankbarkeit
und hoffentlich keine Ahnung für Kommendes.

Ich schrieb hier vor einiger Zeit über Ahnungen
und meine letzte Ahnung hat sich leider vor kurzem bewahrheitet.
Eine Ahnung, die schon ziemlich klar und deutlich war,
ich sie aber verdrängt habe, das war nicht gut.

Im Moment beschleicht mich auch so ein komisches Gefühl, wie eine Ahnung,
aber unklar. Ich kann nicht wirklich sagen was es ist, weil sich die Ereignisse
in der letzten Zeit auch etwas überschlagen haben und sich vieles mischt.

Wie es sich entwickelt, welche Richtung es einnimmt, da kann ich nur abwarten.
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Lavendelfeld

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Einst ging ich durch blühendes Lavendelfeld. 042
Betörend Duft hing in der Luft
und lies mich schnell ermüden.
So sank ich weich in Lavendeltraum
und flog durch Erinnerungswelten.

Ein warmer sanfter Sommerwind
umspielte meine Sinne.
Mein Blick ging bis zum Horizont
und Himmelsblau traf meine Augen.

Dann sah ich dich im Sonnenlicht,
deine Konturen pastellfarben,
wie gemalt mit Pinselstrich.

Du beugtest dich dicht über mich
und plötzlich war es still und dunkel,
die Zeit war lautlos vorgerückt
in nächtliche Traumfänger Stunde.

Im grenzenlosen Sein sternenbesäter Weite
durchschritten wir Raum und Zeit,
bis wir zusammen erwachten
im Morgentau perlenbesetztem Lavendelfelds.

Geblieben ist der Geschmack von Sommer,
von Sehnsucht und Lavendelblau,
von Küssen, die in Endlosschleifen
durch meine Träume ewig reisen,
bis einmal wir uns werden treffen
an diesem geträumtem Lavendelfeldort.
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Eine Abmachung

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Sie hatte eine Abmachung mit sich selbst getroffen. Niemand wusste davon, es war ihr Geheimnis und Geheimnisse gehen schließlich niemanden etwas an. Oder vielleicht doch? Sie kam ins Grübeln. Als sie die Abmachung traf, war es noch ziemlich am Anfang einer wunderbaren Begegnung.
Begegnungen gibt es immer wieder im Leben, manche verflüchtigen sich bald, manche lassen Freundschaften entstehen, manche dümpeln so vor sich hin und man weiß nicht so genau, was es denn eigentlich ist. Es kommt auch vor, dass eine große Nähe und Vertrautheit entsteht. Das ist etwas Wunderbares und Kostbares und wie ein Schatz zu hüten.

Plötzlich war da diese eine Begegnung, die von Anfang an so vertraut war, so innig. Sie spürte diese Besonderheit, diesen Zauber. Aber schon nach kurzer Zeit dieses Funkensprühens gab es diesen einen Moment, wo alles zu kippen drohte. Dieser Moment fand in ihr statt, ganz im Stillen und nur sie selbst kannte den Auslöser dafür. Es hatte auch nur mit ihr selbst zu tun, das wusste sie und deshalb war sie still, sagte nichts und traf eine Abmachung, eine Abmachung mit sich selbst.

Sie war davon überzeugt, sich immer daran zu halten und immer schön darauf zu achten, dass niemals diese magische Grenze überschritten wird. Schließlich war sie geübt darin, ihre Gefühle im Zaum zu halten und die Tränen lautlos nach innen zu drücken. Keine Bruchlandung mehr, kein Schmerz, der sie in Stücke reißt. Nein, das würde sie nicht überleben, wo sie doch noch immer dabei ist, Risse zu nähen.

Eine Zeitlang ging das ganz gut, sie wehrte sich mit aller Macht, etwas zuzulassen, was ihr so fremd geworden ist. Sie kämpfte wie wild dagegen an, obwohl sie sich nie als Kämpferin bezeichnen würde. Sie redete sich ein, alles unter Kontrolle zu haben.

Nach und nach, fast unbemerkt, schlich sich eine Art Lockerung ein und gab Raum für kleine Momente aufkommender Freude, wie Licht, welches durch einen Spalt der Fensterläden fällt. Sie lächelte und sie weinte und sie fing an die kleinen Momente zu genießen. Doch immer wieder krabbelte da diese ‘Ermahnung‘ in ihr hoch, die sie an die Abmachung erinnerte.

Sie haderte und haderte, mit sich selbst, mit der Abmachung, mit dem Leben und anstatt die Fensterläden weit zu öffnen lugt sie immer nur ganz vorsichtig hinaus, blinzelt ins Licht, lächelt, tritt einen Schritt zurück und vergräbt sich in der Dunkelheit ihrer vergangenen Schatten und Ängste.
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Herz – Gäste

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Sie sagt:

Warum habe ich meine Herztür immer angelehnt, gewähre Eintritt in einen Bereich tiefster Empfindsamkeit, wo ich doch weiß, wie schwer die Verletzlichkeit gerade dort trägt und die schlimmsten Narben hinterlässt. Meine Herztür scheint zu klemmen, sie geht nicht zu. Ich kann sie nicht zu machen, weil ich nicht einsperren kann, was raus möchte, trotz aller Risiken, die damit verbunden sind.

Erzähle ein bisschen von deinen Herz-Gästen, wird sie aufgefordert:

Oft genug wurde dieser hochsensible Raum erst vorsichtig betreten, um dann Verwüstung zu hinterlassen. Das braucht dann viel Zeit, um einigermaßen wieder aufzuräumen.
Hin und wieder wird sehr leise durchgeschlichen, neugierig alle Ecken ausspioniert, um sich dann schnell wieder lautlos davonzuschleichen.
Am schlimmsten sind die Verweiler, die es sich gemütlich machen, sich bedienen vom Feinsten und dabei immer Süßholz raspeln, das Blaue vom Himmel versprechen, bis einen die Sinne vernebelt sind, um sich dann davonzumachen zum nächsten angelehnten Türchen.
Dann gibt es noch die lauten Gäste, die herein- und herauspoltern, wie ihnen gerade beliebt, ohne Rücksicht und ohne Feingefühl.

Ganz wenige Gäste werden zu Langzeitgästen oder gar zum Dauergast.

Es gibt aber auch noch ganz besondere und seltene Gäste, sie treten ein, öffnen alle Fenster und alles ist hell und farbenfroh. Das einfallende Licht beleuchtet alte, verstaubte Ecken und Nischen. Sie versprühen Lebensfreude und schaffen es immer wieder aufzumuntern und sogar manchmal ansteckend zu wirken.

Es ist vorgekommen, dass ein Gast, still und leise durch die Herztür gelugt hat, ganz zaghaft eingetreten ist und etwas sehr Wertvolles für immer hinterlassen hat. Er ist da, auch wenn er nicht da ist und manchmal kommt er, öffnet ein wenig die Herztür, schaut herein, bleibt kurz, um dann wieder zu gehen.
Er geht – aber er geht nie ganz und jedesmal hinterlässt er feine Spuren und bei jedem Besuch macht sich Freude breit und jedesmal in seiner Abwesenheit macht sich Sehnsucht breit und jedesmal legt sich ein unerklärlicher, unsichtbarer Zauber um mein Herz, streichelt meine Seele und stärkt meine Zuversicht.

Danke für die Schilderungen.
Das ist traurig und schön, beides liegt scheinbar nebeneinander oder überlagert sich, der Schmerz und die Freude.
Beides trägt durch die Lebenszeit und prägt. Jetzt verstehe ich, weshalb deine Herztür nie geschlossen ist, nie geschlossen sein kann, denn wäre sie es, würdest du hinter dicken Mauern und Türen anfangen zu erstarren und zu verhärten.
Was dein Herzraum erfüllt und überflutet kannst du nicht einsperren, nicht DU, weil in dir dieser unumgängliche und ungeheuerliche Drang ist, das weiterzugeben wovon dir im Überfluss gegeben wurde und was dich selbst, immer wieder in den dunkelsten Stunden gestärkt und aufgebaut hat.
Ich wünsche und hoffe sehr, dass du niemals deine Herztür schließt, egal wie groß der Schmerz sein mag, denn dann wärst du für immer verloren.
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Grenzenlose Freiheit

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Heute hätte meine Oma Geburtstag. Sie ist schon viele, viele Jahre tot. Immer an ihrem Geburtstag denke ich besonders an sie und die schönen Erinnerungen holen mich ein.

Als Kind habe ich viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht, nach der Schule, in den Ferien und einmal sogar mehrere Wochen oder Monate, weil es meiner Mutter sehr schlecht ging. Ich war sehr gern bei meinen Großeltern und mochte sie sehr und sie mich.
Das schönste war der große Garten den sie hatten. Dort gab es eine Schaukel, die ich über alles liebte. Stundenlang saß ich darauf und bin in die Lüfte geflogen, höher, immer höher, bis ich in meiner Fantasiewelt angelangt war. Ich war Pippi Langstrumpf in meiner Fantasie.
Immerhin hatte ich damals sogar ein wenig Ähnlichkeit mit ihr, mit meinen Flechtzöpfen und den gesprenkelten Pünktchen im Gesicht. Auch Pippis Freunde waren dabei, als imaginäre Freunde, mit denen ich in meinen Gedanken sprach, spielte, herumtollte. Es war nie langweilig und immer wieder faszinierend.
Ich flog und flog über alle Grenzen hinweg. Ja, auf meiner Schaukel war ich frei und alles war so leicht. Es war die grenzenlose Freiheit, die ich genoss und so sehr liebte. Ich konnte fliegen, niemand kam und störte mich oder ermahnte mich, versuchte mich zurechtzuweisen.

Bereits als Kind trägt man Last und Sorge und je älter man wird, kommt umso mehr dazu. Die Leichtigkeit des Seins geht mehr und mehr verloren. Die grenzenlose Freiheit und Leichtigkeit gibt es nur in Fantasien, aber da gibt es sie und dort kann sie auch niemand wegnehmen. Dort in dieser eigenen Traum- und Fantasiewelt liegt ein Schatz verborgen, liegt die Quelle der Kraft. Wie gern versinke ich hin und wieder noch heute darin, aber nicht um mich zu verlieren, sondern als Rückzugsort, um dem Geheimnis und der Schönheit meiner eigenen verborgenen Schätze ein Stück näher zu kommen und zu staunen.

So bin ich zwar heute nicht mehr die kleine Pippi Langstrumpf von damals mit ihren imaginären Freunden, aber in mir lebt immer noch dieser Traum von grenzenloser Freiheit und Leichtigkeit. Darin toben sich die verrückten Flausen aus, schaukeln sich hoch bis zu den Sternen, lassen mich fliegen ohne Ballast und jedes Mal, wenn ich wieder daraus auftauche habe ich ein klein wenig davon mitgenommen in die Welt, in mein Herz, in das Leben.
Jedes Mal wenn ich an einer Schaukel vorbeikomme fühle ich mich davon magisch angezogen und möchte fliegen, genauso wie bei einem Kettenkarussell. Hin und wieder erlaube ich es mir tatsächlich, nicht nur in meiner Fantasie und dann fliege ich, bin für einen Moment wieder ein Kind und mitten in der grenzenlosen Freiheit und Leichtigkeit des Seins.
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Wieder zurück..

Zurück aus dem Urlaub, aus der Ferne.
Wieder aufgetaucht im Leben, in der Realität.
Fern von den Sternen eines fantastischen Sternenhimmels,
wie aus 1001 Nacht.

Wieder zurück und aufgewacht aus einer Illusion.
Nebulöse Verirrungen und Verwirrungen weichen
der Ernüchterung.
Betroffenheit und Beschämung machen sich breit.

Dem Nebulösem, das sich ständig entzieht,
diesem nicht greifbarem ‘Etwas‘,
viel zu viel Raum gegeben für Spekulationen,
Interpretationen, Wünschen, Hoffnungen
und Sehnsüchten….

Ein Kapitel schließt sich
und wird sich hoffentlich nicht wiederholen.
Gestorbene Hoffnung dieser einen Richtungsverfolgung.
Genug Tränen vergossen für ein Hirngespinst.

Verblassende Erinnerungen,
eingebrannte Berührungen der Seele.

Loslassen, endlich…………

Der Zweig

Ich hob auf den alten Zweig
den du einst auf den Boden gelegt-
gemalt in zarten Farbtönen
und in Worte gekleidet,
betrachtete ich andächtig sein Bild,
welches so viel Wärme ausstrahlte
und mich lächeln ließ.

Nun hebe ich wieder auf den alten Zweig,
der einst gelegen am Boden-
es ist kalt geworden
in dieser Stille,
in der etwas in mir aufbricht,
mir die Verzweigung zeigt
in meiner Verzweiflung
und die mich schonungslos versucht
wachzurütteln.

Erinnerungen

Heute ist so ein milder Sommerabend, ein Sommerabend voller Erinnerungen. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, an diese laue Nacht, in der die Grillen zirpten und nicht an Schlaf zu denken war. Wir waren uns so nah, dass der Wind unsere Gedanken in unsere Seelen geweht hat und wir gleichzeitig unseren Gefühlen freien Lauf gelassen haben. Es war vor etwa 3 Jahren und ohne Worte wussten wir, da geschieht etwas mit uns. Ich wusste, dass ich es nie wieder vergessen werde und es sich für immer in meine Seele einbrennt. Eine Sommernacht, in der das Sehnen Herz und Seele überzog.

Wie ein leuchtender Stern,
der vom Himmel fällt
bist du gekommen
und hast Platz in meiner Seele genommen.

Neulich ist es noch einmal geschehen, da war es wieder, in einer lauen Sommernacht und ich habe es dich wissen lassen in Worten, umschriebene Worte, in denen nur ein Hauch von Ahnung lag. Das Wesentliche stand zwischen den Zeilen.

Du hast nicht geantwortet und bist verschwunden. In mir hat es eine tiefe Wunde hinterlassen.
Solche Wunden heilen nie, sie vernarben. Aber diese Narbe trägt alle Erinnerungen in sich.

Jedes Mal, wenn die Narbe berührt wird und eine Erinnerung aufsteigt, dann schmerzt es bis zur Unerträglichkeit.
Jedes Mal, wenn es zu nah wird, beginnt eine Flucht in die Einsamkeit bis hinauf zu den Sternen und weiter. Dann weint sogar der Mond und die Sterne verlieren ihren Glanz.

Ich weiß, du hast auch so eine Narbe aus vergangenen Zeiten. Eine sehr große Narbe.

Sag mir, bist du deshalb verschwunden?