Wie ein Rausch

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Es ist mal wieder so weit. Ich, als stiller Mensch, habe die Musik voll aufgedreht und bin durch die Wohnung gerockt. Den lauten Verzweiflungsschrei habe ich mir erspart, wollte ich doch nicht, dass die Nachbarn den Notarzt oder die Polizei rufen. Hätte ich greifbar irgendwelche Drogen gehabt, obwohl noch nie welche genommen, dann hätte ich es in dem Moment getan. Einfach so, um mich zu berauschen, mich zu vergessen, um den ewig dröhnenden Verstand kurzzeitig auszuschalten und um alles rauszulassen, was sich seit Wochen und Monaten angesammelt hat. Diesen ganzen Müll ausspucken bis nur noch die Leichtigkeit übrigbleibt.

Stattdessen habe ich laut zur Musik mitgesungen und dabei ekstatisch getanzt. Immerhin war es wie ein kleiner Minirausch und für ein paar Minuten bin ich abgetaucht, geschwebt und hab mich stark und befreit gefühlt.

So ein paar Sekunden sich stark fühlen, das hat was und vielleicht bald werde ich es wiederholen….
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Etwas bleibt

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Aus dem Radio dröhnt laut Musik.
Lauter, immer lauter dreht sie die Töne auf. Töne, die tief in ihre Seele dringen.
Sie singt mit, laut, immer lauter und sie möchte schreien, alles herausschreien, was in ihr bebt.

Manchmal gelangt sie an diesen Punkt, an dem es fast nicht mehr auszuhalten ist und dann muss es raus, all der Schmerz der seelischen Wunden, die nicht geweinten Tränen, auch Wut.
Alles was in ihr lebt und doch nie gelebt wurde, unterdrückt dahin schwelt wie ein Schwelbrand, der alles mit der Zeit verkohlt und zerstört, bis alles in Asche zerfällt.

Aber nein, nicht alles zerfällt, es bleibt etwas übrig. Immer bleibt etwas übrig, solange das Leben weitergeht.

Verflixt nochmal, immer diese Auslöser, die alles durcheinanderbringen, was sonst so schön versucht wird, unter Kontrolle zu halten. Dabei weiß sie doch ganz genau, dass das nicht möglich ist. Sie weiß auch wie schädlich es ist, aber sie kommt nicht dagegen an.

Alles gerät aus den Fugen. Es scheint, die Welt gerät aus den Fugen, also warum sollte sie dann verschont bleiben. Sie ist schließlich ein winzig kleines Teil dieser Welt, dieses Lebens, dieses Seins und somit kann sie gar nicht verschont bleiben.

Das Radio ist still, keine Töne mehr zu hören. Langsam ebbt die aufgewallte Woge ab. Sie schaut aus dem Fenster und beobachtet die schnell dahinziehenden Wolken, die ein wenig blauen Himmel freischaufeln. Die Blätter der Bäume wiegen sich im Wind hin und her.

Was jetzt, fragt sie sich selbst. Ein neuer Wellenzyklus beginnt. Ebbe und Flut, kommt ihr in den Sinn. Die Flut, die alles überfluten kann, wenn sie über das Ufer tritt und alles wegschwemmt, alles Geröll mit sich nimmt und immer einen Weg findet, weiter zu fließen, bis alles wieder abebbt und verrinnt.

Vielleicht sollte sie das Radio wieder anschalten und tanzen, nach den Tönen, der Melodie, die sie im Rhythmus davon trägt, mal schnell, mal langsam, dann wieder wild ekstatisch. Alles aus sich herausschütteln im Drehen, bis nichts mehr bleibt.

Ach ja, etwas bleibt immer, fällt ihr wieder ein und das ist gut so. Schließlich scheint die Sonne auch immer wieder in den Tag hinein nach dunkler Nacht, nach jedem Unwetter und wärmt mit ihren Strahlen, bringt Licht und lässt neues Leben gedeihen.
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Einzigartige Stimmung

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Jedes Jahr so um die Mittsommerwende bis in den Juli hinein halte ich Ausschau nach Glühwürmchen.
Meistens konnte ich sie bisher in lauen Sommernächten bewundern, dazu noch einen prächtigen Sternenhimmel.

Dieses Jahr habe ich noch keine gesehen, vermutlich wegen dem vielen Regen. Vielleicht habe ich ja noch Glück und vielleicht hört irgendwann der viele Regen auch mal auf. Ich glaube bis in den Juli hinein gibt es eine Chance, sie beobachten zu können.

Für mich ist es immer wieder wie ein kleines Wunder. Diese Magie, im Dunkeln die winzigen Leuchtpunkte, wie sie über Wiesen schweben, aus Hecken und Büschen aufsteigen. Eine verzauberte Welt öffnet sich da für kurze Momente und es kommt mir dann vor, als würde meine Seele zwischen all den kleinen Lichtpunkten schweben. Eine einzigartige Stimmung, die mich dann überfällt und mein Herz an einen Ort zieht, weit entfernt…
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Kindheitserinnerungen II

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Ich stehe fröstelnd am Fenster.
Zwischen den noch kahlen Bäumen auf dem Friedhofsplatz
leuchtet verschwommen der Mond.
Auf den Gräbern flackern vereinzelt Lichter.
Vom Himmelszelt funkeln Sterne
in diese eine, fast klare, dunkle Nacht
dieser Besuchstage im Elternhaus.
Erinnerungen vermischen sich mit Jetzt-Blicken,
versetzen mich zurück in meine Kinderzeit.

Auch da stand ich oft lange fröstelnd nachts am Fenster,
ließ mich einfangen von Mondlichtstimmungen und Grabesstille,
bis mich die Müdigkeit überfiel und ich in den Schlaf sank.
Morgens weckte mich das Gurren der Holztauben
und die großen Uhus auf den Friedhofsbäumen stießen
ihren gespenstischen Schrei in die Stille,
bevor sie im Tageslicht verstummten.

Alles ist mir so vertraut, nur die Uhus gibt’s heute nicht mehr.
Weit in der Ferne rauscht ein Zug vorbei,
Autos rattern schneller und lauter über die unebene Straße. –
Der Tag erwacht, die Stimmungen der Nacht sind in mir verankert
und leben in mir, werden immer sein, egal an welchem Ort ich mich befinde.
Manches erscheint genauso, als wäre die Zeit stehengeblieben,
anderes im Außen und Drumherum hat sich verändert.
Die elementaren Fragen von damals bleiben bis heute
beim Blick in die Sterne, in die Weite.

Erinnerungen leben auf und verblassen wieder,
alles kommt und vergeht,
Gräber verschwinden, neue entstehen –
Leben und Tod
und über allem die Sterne,
ewiglich funkelnd in die Stille der Nacht.

Manchmal frage ich mich, ob es mich geprägt hat,
direkt neben dem Friedhof groß geworden zu sein,
mit Blick auf den Tod, das Vergehen, die Grabesstille,
das Spüren von Stimmungen und Leid,
bis hin zur Freude, der mit Blumen geschmückten Gräber,
die im Erblühen von Leben und Schönheit zeugen.
Es hat mir nie Angst gemacht, macht es auch heute nicht,
es ist gerade so, als wäre der Tod mir schon immer vertraut
mit seinem Geheimnis und in seiner Melancholie.
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Kindheitserinnerung

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Als Kind fuhr ich gerne Schlittschuhe, drehte kleine Pirouetten und fühlte mich in meiner Fantasie wie eine kleine Eisprinzessin. Damals wurde im Freibad das Wasser im Winter nicht abgelassen und das Bad war frei zugänglich. Es gab noch lange, frostige Winter, sodass alles zu dickem Eis gefror. Tagsüber hatte ich nicht so viel Freude, denn viele Kinder waren unterwegs auf dem Eis, spielten Eishockey oder liefen im Kreis ihre Runden oder schlitterten einfach so mit Schuhen übers Eis. Da hatte ich kaum Platz, um meiner Fantasie freien Lauf zu lassen, in diesem lärmenden Gewusel.

Also wartete ich oft, bis die Dämmerung einsetzte und fuhr am liebsten abends im Dunkeln. Da war ich ganz allein auf dem Eis. Das Dorf schien schon zu schlafen, es war kaum jemand unterwegs bei der Kälte. Dick eingemummelt machte ich mich auf den Weg. Manchmal schien der Mond ganz hell und ein klarer Sternenhimmel über mir versetzte mich in eine andere Welt. Ich lief und drehte mich auf dem Eis und übte kleine Kunststücke, sodass ich die frostig, klirrende Kälte kaum wahrnahm. Alles war wie eine Zauberwelt, in die ich eintauchte. Ein bisschen gruselig war es auch, so allein im Dunkel und der Kälte, alles schien so still, einsam und verlassen. Aber die Angst konnte mich nicht besiegen, eher dann doch die Kälte und die Ermahnung meiner Eltern, nicht so lange zu bleiben.

Irgendwann geht alles vorbei und ich musste mich auf den Nachhauseweg machen, froh, beschwingt und glücklich und irgendwann ist auch die Kindheit und Unbeschwertheit vorbei, aber die schönen Erinnerungen bleiben.
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Angekommen sein

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Ihr ganzes Leben lang fühlt sie sich fremd in der Welt,
aber in ihrem Herzen weiß sie,
da gibt es einen Ort, an dem sie sich nicht fremd fühlt,
da gibt es ein Zuhause, das ihr Heimat ist,
wo sie jederzeit willkommen ist und zugehörig.

Eine starke Anziehungskraft zieht sie immer wieder
in diese Richtung und sie weiß,
irgendwann ist sie angekommen,
an diesem Ort, der kein äußerer Platz ist,
sondern eine Begegnung
im DU.
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(Nochmal rausgekramt 🙂 )
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Lauf des Lebens

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Sie hatte Träume und hat versucht, sie nach und nach zu verwirklichen. Ja, mit vollem Einsatz und Begeisterung, doch am Ende sind alle Träume zerplatzt wie Seifenblasen. Am Ende war alles nichts, so wie am Ende nichts sein wird. Alles kommt und vergeht, das ist der Lauf des Lebens.
Während die Jahreszeiten wechseln und die Zeit vergeht, blitzen die kleinen Momente von Glück und Freude in ihrem Herzen auf und erhellen ihre Lebenszeit. Ständiger Wandel füllt den Raum zwischen Anfang und Ende.

Nur das Sehnen bleibt, durch alles Leid und Freude hindurch, mal stärker, mal weniger stark. Das Sehnen hört nicht auf, weil das Sehnen auf den Schwingen der Liebe gleitet. Die Liebe, die alles trägt und das Wesen des Daseins offenbart. So empfindest sie das, so bewahrt sie sich ihre Lebendigkeit und schöpft daraus Kraft und Stärke, selbst in den dunkelsten Stunden.
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Perlentraum

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Wir könnten uns eine Insel träumen,
auf der wir zusammen tanzen und lachen
und manchmal
vielleicht auch ein bisschen weinen,
aber das macht nichts,
weil das Meer die Tränen aufnimmt
und irgendwann in einer Muschel
eine Perle heranwächst,
in der eine Geschichte lebt,
die von Sehnsucht und Liebe erzählt,
und mit der Perle weitergetragen wird,
die in ihrer Schönheit erglänzt.
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Ein einsamer Stern

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Ein älterer Text neu aufgerollt. 😉

Ein einsamer Stern leuchtet am nächtlichen Himmelszelt bis er in der Morgendämmerung langsam verblasst.
Im grellen Tageslicht der alltäglichen Pflichten und Geschäftigkeiten strahlt er, unsichtbar und vergessen von der Welt, beständig weiter.
In manchen klaren Nächten, wenn das Mondlicht sich spiegelt im Fluss des Lebens, erinnert der Stern an etwas Verborgenes, Verlorenes. Dann leuchtet der einsame Stern mit Milliarden anderen Sternen in diesen Sehnsuchtsraum und weckt Erinnerungen. Alles verschwimmt zu einem einzigen Lichtermeer und ruft ein Gefühl von Staunen, Ergriffenheit und von Verbundenheit hervor.

Fragen tauchen auf und suchen nach Antworten.

Ein Rufen dringt in die Weiten des Universums und reiht sich Tönen gleich zu einer bunten Klangmelodie aus Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten.
Je mehr das Spektrum der Klangmelodien auf Übereinstimmung treffen, umso mehr entsteht eine Anziehungskraft, wie von zwei Sternen, die sich auf Kollisionskurs aufeinander zu bewegen.

So entsteht jedes Mal, wenn zwei einsame Sterne sich anziehen und kollidieren, ein Leuchtfeuer aus Lebendigkeit, um an etwas verloren Gegangenes zu erinnern, welches jederzeit neu enthüllt werden kann.
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Freude

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Er sagte zu ihr: Das schlimmste was dir passieren kann ist, wenn dir jemand die Freude nimmt. Lass das nie zu.

Sie kennt das, weiß, wie sich das anfühlt und dass es nicht gut ist, kann nur bestätigen, was er ihr sagt. Trotzdem versetzt es ihr in dem Moment einen Stich. Sie fühlt sich getroffen, betroffen, wie eine Erinnerung oder Ermahnung.

Dabei meint er gar nicht sie, sondern spricht von sich selbst, spricht von seiner eigenen Situation und doch fühlt sie sich angesprochen, als wäre es für sie bestimmt.
Sie überlegt, ob er nicht auch sie meint. So ist es oft, er erzählt von sich und seinen Erfahrungen und fast immer fühlt sie sich in irgendeiner Art und Weise angesprochen.

Zwischen ihnen besteht eine starke Verbundenheit und großes Verständnis, jedenfalls empfindet sie das so. Indem sie sich angesprochen fühlt, versteht sie und kann aus diesem Verstehen heraus antworten. Hin und wieder geht ihr das auch mit anderen so, aber bei niemand ist es so wie mit ihm. Im Verstehen und auf jemanden eingehen liegt eine große Spanne.

Trotz vieler Höhen und Tiefen, vieler ernüchternder Gespräche, überwiegt die Freude und Dankbarkeit, die diese Begegnung und Freundschaft in sich trägt und doch scheint die Freude bei beiden in den Hintergrund gerückt zu sein. Nicht die Freude aneinander ist geschwächt, sondern die jeweiligen Umstände und Lebenssituationen in denen sie sich befinden, lässt immer wieder die Freude schwinden. Genau das ist ihr in dem Moment klar geworden, als er davon sprach, sich nie die Freude nehmen zu lassen.

Es geht ihm nicht gut und ihr geht es ähnlich. Beide drehen sich im Kreise um sich selbst, um ihre Sorgen und Probleme, um ihre Lebenssituation und darum, eine Lösung zu finden oder sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Damit entfernen sie sich nicht nur von der Freude selbst, sondern auch von ihrer eigenen Mitte und Miteinander in Freude.

Sie weiß jetzt, was sie zu tun hat.
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Ein Tag..

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Draußen regnet es, der Himmel ist grau
und der Tag zieht sich wie Kaugummi.
Ich warte, dass die Stunden vergehen bis zum späten Nachmittag.
Eine Woche warte ich schon und die Zeit verging ganz gut.
Ich war abgelenkt, habe mich abgelenkt.

Heute holt es mich ein und ich sitze wie auf heißen Kohlen,
Unruhe steigt in mir auf und leichtes flau sein im Magen.

Ich warte auf ein Ergebnis.
Alles kann möglich sein, von gut bis verloren sein.

Ein Tag, der womöglich richtungsweisend sein wird,
eine Weiche gestellt wird…………………..
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Stimmungen

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Stimmungen treten auf,
überfallen einen plötzlich,
stimmen ein,
versetzen in Erinnerungen
oder enthalten Ahnungen,
treffen ins Gemüt.

Meine Stimmung steht auf Abschied,
Wehmut, Melancholie
in vielerlei Hinsicht.

Die paar Tage, die ich verreist war haben mir gut getan,
aber auch viele Erinnerungen hervorgeholt, bis in meine Kindheit.

Es war ein bisschen wie ein Lebensrückblick. Vielleicht lag es auch daran,
dass ich in meiner alten Heimat war. Da bin ich zwar fast jedes Jahr einmal,
aber diesmal war etwas anders als sonst.

Vielleicht ist mir auch beim nächtlichen Blick in die Weiten des Sternenhimmels
diesmal ganz besonders die Vergänglichkeit aller Dinge klar geworden,
klarer als sonst.

Es war eine Mischung aus Wehmut und Dankbarkeit
und hoffentlich keine Ahnung für Kommendes.

Ich schrieb hier vor einiger Zeit über Ahnungen
und meine letzte Ahnung hat sich leider vor kurzem bewahrheitet.
Eine Ahnung, die schon ziemlich klar und deutlich war,
ich sie aber verdrängt habe, das war nicht gut.

Im Moment beschleicht mich auch so ein komisches Gefühl, wie eine Ahnung,
aber unklar. Ich kann nicht wirklich sagen was es ist, weil sich die Ereignisse
in der letzten Zeit auch etwas überschlagen haben und sich vieles mischt.

Wie es sich entwickelt, welche Richtung es einnimmt, da kann ich nur abwarten.
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Besondere Momente

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Es gab diese kleinen
besonderen Glücksmomente
zwischen dir und mir –
wie ein Zauber
und ein Lächeln der Seelen.

So nah,
so schön,
so wahr.

Ein Funke im Dunkel der Nacht,
entzündet im Sehnsuchtsfeuer
gleichschlagender Herzen.

Es gab diese kleinen
besonderen Hoffnungsmomente
zwischen dir und mir –
mit dem Erwachen des Frühlings,
aber auch mitten im Winter.

Heute lächelt mich der Tag an,
die Vögel zwitschern,
es ist Frühling
und wir beide wissen,
um die Freude der Glücksmomente,
die kommen und gehen,
ohne dass wir sie halten können,
wissen um die Hoffnungsmomente,
die im Wechsel mit dem Einzug
von Vernunft und Nüchternheit,
aufblitzen und verblassen.

Nur das Lächeln in unseren Seelen bleibt,
wie ein Abdruck auf Lebenszeit
und vielleicht bald,
steigt wieder ein Hoffnungsfunke empor
und die Vorfreude
auf diesen besonderen nahen Glücksmoment
zaubert mir ein Lächeln
mitten ins Gesicht.
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Du wartest

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Du wartest
irgendwo da draußen
in der Kälte der Verständnislosigkeit
und Lieblosigkeit
und ich habe Mühe,
mich durch dieses dunkle Dickicht zu bewegen.

Du wartest
in der Gewissheit,
diesen Ort zu erreichen
an dem auch ich warte,
vertrauensvoll und voller Sehnen.

Du wartest
und wir gehen Hand in Hand
bis hintern Horizont,
bis wir verschwunden sind
vor den mahnenden Blicken,
den erhobenen Zeigefingern,
bis unsere Küsse mit der Weite verschmelzen,
die uns in ihrer Grenzenlosigkeit aufnimmt.
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Ahnungen

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Sie hat manchmal solche Ahnungen, das ist schwer zu erklären, andere würden es vielleicht Intuition nennen oder Bauchgefühl oder wie auch immer.

Bei ihr ist es aber in dem Sinne komisch, dass diese Intuition oft nicht erst in einer jeweiligen Situation und Begebenheit zutage tritt, sondern schon lange vorher.

Das kann im positiven wie auch im negativen Sinne sein. Ahnungen, die Freude in sich tragen genauso wie Ahnungen, die nichts Gutes verheißen.

Manchmal überfällt sie eine Freude und sie ist tagelang oder gar wochenlang grundlos guter Stimmung, sogar wenn alles um sie herum trostlos, öde und in Missstimmung ist. Dann blüht sie auf wie eine wunderschöne Sommerblume mitten im kalten Winter, weil sie bereits den Frühling ahnt, der in ihr lebt, bis sich etwas ereignet, dass genau dieses freudige Vorgefühl in sich trägt und mit dem tatsächlichen Geschehen mischt. Dann beginnt ein wunderbarer Tanz.

Natürlich ist es nicht immer so klar und eindeutig und die Ereignisse und Begebenheiten so spektakulär.

Leider ist es auch im umgedrehten Falle so und leider überwiegen diese Fälle. Diese unheilvolle Vorahnung, die ihr aufs Gemüt schlägt und den zarten Keimling zu entwurzeln droht.

Oh, wie oft war das schon so und wie sehr sie sich davor fürchtet, wenn sich dieses Gefühl mal wieder einschleicht und den kurzen Tanz zu beenden droht. Diese Wehmut, die sie dann überfällt als wäre schon verloren, was sich gerade so glanzvoll entpuppt. Es ist gerade so, wie ein inneres langsames Entfernen und sich lösen, damit es dann, wenn das Ereignis eintritt, nicht ganz so schmerzhaft ist.

Klingt das verrückt? Ist das irre? Ist es vielleicht nur Angst vor Verlust? Sind es die vielen schmerzhaften Erfahrungen, die dazu geführt haben? Oder ist es ganz etwas anderes?

All diese Fragen hat sie sich auch schon gestellt und stellt sie sich immer wieder.

Doch alles Nachgrübeln nützt nichts, wenn sich die Ahnung einschleicht, dann ist sie da und geht nicht einfach wieder, lässt sich nicht abschütteln. So wie kleine fehlende Puzzleteile, die noch den Blick auf das Gesamtbild verhindern, purzeln nach und nach Bruchstücke von Geschehnissen in das Jetzt und vervollständigen das schreckliche Bauchgefühl bis hin zur Gewissheit.

Manchmal versucht sie sich dagegen zu wehren, redet sich ein, dass alles gut wird, dass sie sich irrt, verdrängt dieses aufsteigende Gefühl. Aber im Grunde genommen weiß sie, dass sie sich damit selbst etwas vormacht.

Ihr Fazit:

Es ist nicht leicht, der Wahrheit ins Auge zu blicken,
aber besser als sich in Täuschungen und Enttäuschungen zu verlieren.

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Eine Abmachung

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Sie hatte eine Abmachung mit sich selbst getroffen. Niemand wusste davon, es war ihr Geheimnis und Geheimnisse gehen schließlich niemanden etwas an. Oder vielleicht doch? Sie kam ins Grübeln. Als sie die Abmachung traf, war es noch ziemlich am Anfang einer wunderbaren Begegnung.
Begegnungen gibt es immer wieder im Leben, manche verflüchtigen sich bald, manche lassen Freundschaften entstehen, manche dümpeln so vor sich hin und man weiß nicht so genau, was es denn eigentlich ist. Es kommt auch vor, dass eine große Nähe und Vertrautheit entsteht. Das ist etwas Wunderbares und Kostbares und wie ein Schatz zu hüten.

Plötzlich war da diese eine Begegnung, die von Anfang an so vertraut war, so innig. Sie spürte diese Besonderheit, diesen Zauber. Aber schon nach kurzer Zeit dieses Funkensprühens gab es diesen einen Moment, wo alles zu kippen drohte. Dieser Moment fand in ihr statt, ganz im Stillen und nur sie selbst kannte den Auslöser dafür. Es hatte auch nur mit ihr selbst zu tun, das wusste sie und deshalb war sie still, sagte nichts und traf eine Abmachung, eine Abmachung mit sich selbst.

Sie war davon überzeugt, sich immer daran zu halten und immer schön darauf zu achten, dass niemals diese magische Grenze überschritten wird. Schließlich war sie geübt darin, ihre Gefühle im Zaum zu halten und die Tränen lautlos nach innen zu drücken. Keine Bruchlandung mehr, kein Schmerz, der sie in Stücke reißt. Nein, das würde sie nicht überleben, wo sie doch noch immer dabei ist, Risse zu nähen.

Eine Zeitlang ging das ganz gut, sie wehrte sich mit aller Macht, etwas zuzulassen, was ihr so fremd geworden ist. Sie kämpfte wie wild dagegen an, obwohl sie sich nie als Kämpferin bezeichnen würde. Sie redete sich ein, alles unter Kontrolle zu haben.

Nach und nach, fast unbemerkt, schlich sich eine Art Lockerung ein und gab Raum für kleine Momente aufkommender Freude, wie Licht, welches durch einen Spalt der Fensterläden fällt. Sie lächelte und sie weinte und sie fing an die kleinen Momente zu genießen. Doch immer wieder krabbelte da diese ‘Ermahnung‘ in ihr hoch, die sie an die Abmachung erinnerte.

Sie haderte und haderte, mit sich selbst, mit der Abmachung, mit dem Leben und anstatt die Fensterläden weit zu öffnen lugt sie immer nur ganz vorsichtig hinaus, blinzelt ins Licht, lächelt, tritt einen Schritt zurück und vergräbt sich in der Dunkelheit ihrer vergangenen Schatten und Ängste.
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Herz – Gäste

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Sie sagt:

Warum habe ich meine Herztür immer angelehnt, gewähre Eintritt in einen Bereich tiefster Empfindsamkeit, wo ich doch weiß, wie schwer die Verletzlichkeit gerade dort trägt und die schlimmsten Narben hinterlässt. Meine Herztür scheint zu klemmen, sie geht nicht zu. Ich kann sie nicht zu machen, weil ich nicht einsperren kann, was raus möchte, trotz aller Risiken, die damit verbunden sind.

Erzähle ein bisschen von deinen Herz-Gästen, wird sie aufgefordert:

Oft genug wurde dieser hochsensible Raum erst vorsichtig betreten, um dann Verwüstung zu hinterlassen. Das braucht dann viel Zeit, um einigermaßen wieder aufzuräumen.
Hin und wieder wird sehr leise durchgeschlichen, neugierig alle Ecken ausspioniert, um sich dann schnell wieder lautlos davonzuschleichen.
Am schlimmsten sind die Verweiler, die es sich gemütlich machen, sich bedienen vom Feinsten und dabei immer Süßholz raspeln, das Blaue vom Himmel versprechen, bis einen die Sinne vernebelt sind, um sich dann davonzumachen zum nächsten angelehnten Türchen.
Dann gibt es noch die lauten Gäste, die herein- und herauspoltern, wie ihnen gerade beliebt, ohne Rücksicht und ohne Feingefühl.

Ganz wenige Gäste werden zu Langzeitgästen oder gar zum Dauergast.

Es gibt aber auch noch ganz besondere und seltene Gäste, sie treten ein, öffnen alle Fenster und alles ist hell und farbenfroh. Das einfallende Licht beleuchtet alte, verstaubte Ecken und Nischen. Sie versprühen Lebensfreude und schaffen es immer wieder aufzumuntern und sogar manchmal ansteckend zu wirken.

Es ist vorgekommen, dass ein Gast, still und leise durch die Herztür gelugt hat, ganz zaghaft eingetreten ist und etwas sehr Wertvolles für immer hinterlassen hat. Er ist da, auch wenn er nicht da ist und manchmal kommt er, öffnet ein wenig die Herztür, schaut herein, bleibt kurz, um dann wieder zu gehen.
Er geht – aber er geht nie ganz und jedesmal hinterlässt er feine Spuren und bei jedem Besuch macht sich Freude breit und jedesmal in seiner Abwesenheit macht sich Sehnsucht breit und jedesmal legt sich ein unerklärlicher, unsichtbarer Zauber um mein Herz, streichelt meine Seele und stärkt meine Zuversicht.

Danke für die Schilderungen.
Das ist traurig und schön, beides liegt scheinbar nebeneinander oder überlagert sich, der Schmerz und die Freude.
Beides trägt durch die Lebenszeit und prägt. Jetzt verstehe ich, weshalb deine Herztür nie geschlossen ist, nie geschlossen sein kann, denn wäre sie es, würdest du hinter dicken Mauern und Türen anfangen zu erstarren und zu verhärten.
Was dein Herzraum erfüllt und überflutet kannst du nicht einsperren, nicht DU, weil in dir dieser unumgängliche und ungeheuerliche Drang ist, das weiterzugeben wovon dir im Überfluss gegeben wurde und was dich selbst, immer wieder in den dunkelsten Stunden gestärkt und aufgebaut hat.
Ich wünsche und hoffe sehr, dass du niemals deine Herztür schließt, egal wie groß der Schmerz sein mag, denn dann wärst du für immer verloren.
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Grenzenlose Freiheit

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Heute hätte meine Oma Geburtstag. Sie ist schon viele, viele Jahre tot. Immer an ihrem Geburtstag denke ich besonders an sie und die schönen Erinnerungen holen mich ein.

Als Kind habe ich viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht, nach der Schule, in den Ferien und einmal sogar mehrere Wochen oder Monate, weil es meiner Mutter sehr schlecht ging. Ich war sehr gern bei meinen Großeltern und mochte sie sehr und sie mich.
Das schönste war der große Garten den sie hatten. Dort gab es eine Schaukel, die ich über alles liebte. Stundenlang saß ich darauf und bin in die Lüfte geflogen, höher, immer höher, bis ich in meiner Fantasiewelt angelangt war. Ich war Pippi Langstrumpf in meiner Fantasie.
Immerhin hatte ich damals sogar ein wenig Ähnlichkeit mit ihr, mit meinen Flechtzöpfen und den gesprenkelten Pünktchen im Gesicht. Auch Pippis Freunde waren dabei, als imaginäre Freunde, mit denen ich in meinen Gedanken sprach, spielte, herumtollte. Es war nie langweilig und immer wieder faszinierend.
Ich flog und flog über alle Grenzen hinweg. Ja, auf meiner Schaukel war ich frei und alles war so leicht. Es war die grenzenlose Freiheit, die ich genoss und so sehr liebte. Ich konnte fliegen, niemand kam und störte mich oder ermahnte mich, versuchte mich zurechtzuweisen.

Bereits als Kind trägt man Last und Sorge und je älter man wird, kommt umso mehr dazu. Die Leichtigkeit des Seins geht mehr und mehr verloren. Die grenzenlose Freiheit und Leichtigkeit gibt es nur in Fantasien, aber da gibt es sie und dort kann sie auch niemand wegnehmen. Dort in dieser eigenen Traum- und Fantasiewelt liegt ein Schatz verborgen, liegt die Quelle der Kraft. Wie gern versinke ich hin und wieder noch heute darin, aber nicht um mich zu verlieren, sondern als Rückzugsort, um dem Geheimnis und der Schönheit meiner eigenen verborgenen Schätze ein Stück näher zu kommen und zu staunen.

So bin ich zwar heute nicht mehr die kleine Pippi Langstrumpf von damals mit ihren imaginären Freunden, aber in mir lebt immer noch dieser Traum von grenzenloser Freiheit und Leichtigkeit. Darin toben sich die verrückten Flausen aus, schaukeln sich hoch bis zu den Sternen, lassen mich fliegen ohne Ballast und jedes Mal, wenn ich wieder daraus auftauche habe ich ein klein wenig davon mitgenommen in die Welt, in mein Herz, in das Leben.
Jedes Mal wenn ich an einer Schaukel vorbeikomme fühle ich mich davon magisch angezogen und möchte fliegen, genauso wie bei einem Kettenkarussell. Hin und wieder erlaube ich es mir tatsächlich, nicht nur in meiner Fantasie und dann fliege ich, bin für einen Moment wieder ein Kind und mitten in der grenzenlosen Freiheit und Leichtigkeit des Seins.
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Endlich losfahren

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Es ist nicht zu spät,
es ist an der Zeit.
Ein Zug fährt ein,
auf dem Bahnhof des Wartens.
Ich steige ein
und fahre, fahre endlich los.

Weißt du noch,
als du fragtest wohin die Reise geht
und ich es nicht wusste,
genauso wenig wie du.
Jetzt weiß ich es immer noch nicht so genau,
aber ich steige ein
und fahre, fahre endlich los.

Ich habe auf das Signal geachtet
und es steht auf grün,
grün wie die Hoffnung,
wie der Frühling mitten im Herbst.
Die Weiche ist gestellt,
der Zug rollt langsam an
und ich schaue
sehnsuchtsvoll
dieser Ausrichtung entgegen.
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Tiefseetaucher

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Es gibt Entscheidungen im Leben,
die tragen so schwer,
dass du dich lange Zeit unbemerkt
von dir selbst entfernt hast.

Wieso hast du es nicht bemerkt?

Ich habe es bemerkt,
schon sehr lange sogar,
aber ich war nicht fähig, etwas zu tun,
bin es immer noch nicht wirklich.

Was hält dich zurück?

Eine Moral, die mir eingepflanzt wurde,
Angst, die wieder und wieder geschürt wurde,
ein ganzes Weltbild, das mir eingebrannt wurde
…und alles nur,
um mich vor dem Untergang zu bewahren.
Dabei hat niemand bemerkt,
dass ich schon längst
durch die tiefsten Tiefen tauche
und am Untergehen bin.

Und nun?

Ich habe in den tiefsten Tiefen
viel Verschüttetes entdeckt,
das an die Oberfläche möchte
und gelebt werden möchte.
Nun versuche ich es zu befreien
und damit aufzutauchen.

Ob es gelingt?

Das kann ich nicht beantworten,
aber es wäre schön.
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Die wenigen Momente

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Sie unterhalten sich, sie trösten sich, sie sind füreinander da in ihrer beider Einsamkeit.
So bekommen ihre Leben wieder langsam einen Sinn.

Es sind diese wenigen Momente, in denen ihre Augen leuchten und ihre Herzen von Dankbarkeit erfüllt sind.
Sie halten sich aneinander fest, aber ohne zu klammern.
Sie sind miteinander verbunden und trotzdem lebt jeder in seiner Welt, geht jeder seiner Wege, lebt jeder sein eigenes Leben.

Er lebt nicht allein in seiner Welt, aber niemand ist da, der ihn wirklich beachtet. Niemand nimmt ihn wahr, niemand spürt ihn, niemand nimmt Anteil an seinem Leben. Er ist unter den Seinigen einsam und allein.

Sie lebt nicht allein in ihrer Welt, aber niemand ist da, der sie beachtet. Niemand nimmt sie wahr, niemand spürt sie, niemand nimmt wirklich Anteil an ihrem Leben. Sie ist unter den Ihrigen einsam und allein.

Die wenigen Momente, in denen er und sie einander zuhören, füreinander da sind, machen ihrer beider Leben reicher und bunter und sind mittlerweile fester Bestandteil ihres trostlosen Alltags geworden.
Die wenigen Momente sind ihr beider Heiligtum und Geheimnis.

Niemand in seiner Umgebung weiß davon.
Niemand in ihrer Umgebung weiß davon.

Nur sie beide, sie wissen es, erfreuen sich daran, sind sich verbunden.
Sie nehmen einander wahr und einander Anteil.
Ganz langsam, bedacht und leise entfaltet sich in ihnen etwas Schönes.
Zuversicht und Hoffnung erblüht und vergeht, erblüht und vergeht im Wechselspiel ihrer Träume und Fantasien.

Niemand kann sie ihnen nehmen, die wenigen Momente, die immer nur wenige Momente sein können
und doch unvergessliche, kostbare Momente für die Ewigkeit sind.
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Komm zurück

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Komm zurück ‚Astronaut‘,
die Sterne leuchten auch von hier…
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Eigentlich gehört dieses Post ja an andere Stelle,
an einen Platz den du kennst,
wo du immer mit deinem Raumschiff landen kannst,
wo du immer und jederzeit willkommen bist,
wo jemand seine Arme ausbreitet
und dein verschlissenes Herz
mit Liebe umfängt…

Komm zurück ‚Astronaut‘,
die Sterne leuchten von überall
und dein Licht leuchtet in mir…
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Kleiner Dialog

Er:
Auf dem Handy stehst du bei mir unter ‘Engel‘.

Sie:
Oh, wieso das denn? Ich bin doch gar kein Engel.

Er:
Für mich bist du wie ein Engel. Du bist plötzlich und unerwartet aufgetaucht, hast mich an der Hand genommen und meinem Leben wieder eine Struktur gegeben, indem du mich aufgefordert hast, gemeinsam etwas Schönes zu schaffen. Du hast dir immer wieder etwas Neues einfallen lassen und als ich alles nicht mehr wollte und mich zurückgezogen habe, hast du gewartet.
Du bist nicht einfach weggegangen und als ich wieder zu dir kam, warst du da, hast mir dein Vertrauen geschenkt und dein Herz geöffnet. Deine Tränen haben meine Seele berührt.
Von dem Moment an wusste ich, dass wir uns nie wieder verlieren können, egal wie lange wir auch getrennt sind, egal wie lange wir nichts voneinander hören oder wo immer wir uns auf der Welt befinden.

Sie:
Ja, das ist schön, so ist es und so wird es sein.
Auch du hast meine Seele berührt, nur ein Engel bin ich trotzdem nicht und werde auch nie einer sein.

Am seidenen Faden

Meine Hoffnung,
etwas von dir zu hören,
hing am seidenen Faden.
Dann kam ein kleines Lebenszeichen von dir,
das mich total aufgewühlt hat
und noch mehr verwirrte.

Die Hoffnung wurde wieder stärker,
der seidene Faden dicker.
Aber schon nach kurzer Zeit
wurde mir der Abschied bewusst,
den du damit wohl verkünden wolltest.

Jetzt hängt meine Hoffnung
wieder am seidenen Faden,
der zwar im Kopf zerrissen ist,
aber sich im Herzen
unlösbar für immer
verheddert hat.

Revision

Ich habe den Eindruck, dass ich mal Revision machen muss in meinem Leben.
Irgendetwas läuft gewaltig schief.
Nicht nur, dass ich mich wohl auch irgendwie festgefahren habe, da ist noch viel mehr.

Vielleicht hilft mir der bevorstehende Urlaub ein wenig, wieder mehr Klarheit in mein Leben zu bekommen.
Ich hab mich auf meinem Weg verloren, bin zu sehr abgedriftet.

Genau das, was ich nicht wollte, wo ich dachte es zu erkennen und im Griff zu haben, genau das ist geschehen. Wieder und immer wieder, wie ein Sog hat es mich weggezogen.
Es ist so einfach, sich in seinen Vorstellungen und Wünschen zu verlieren, dabei ist es der größte Irrtum schlechthin.

Andererseits ist da aber auch etwas in mir, was raus möchte, was gelebt werden möchte.
Und dann diese tiefe Sehnsucht, die mehr und mehr Raum nimmt.

Da ist wohl zu viel durcheinander gepurzelt in meinem Leben. Vielleicht habe ich für viel Unnötiges zu viel Platz gemacht.
Ich könnte einen Kompass gebrauchen oder besser gesagt, ich muss lernen mit meinem inneren Kompass richtig umzugehen. Und ich muss aufräumen, aussortieren. Es kommt mir vor, als hätte ich mich selbst zugemüllt. Nun hat sich so viel angesammelt, dass ich kaum noch durchsteige und momentan überhaupt nicht weiß, wo ich eigentlich anfangen soll……………………………….

Aufeinander zugehn

Sie hielten sich fest an ihrer Moral und ihrem Gewissen, als wäre es ein letzter rettender Strohhalm.
Dabei bräuchten sie nur loszulassen und aufeinander zuzugehen.

Sie suhlten sich in ihrem Schmerz und ihren Wunden, als würden sie darin Erlösung finden.
Dabei bräuchten sie nur aufzustehen und aufeinander zuzugehen.

Sie verzehrten sich an ihrem Sehnen und ihrer Einsamkeit, als müssten sie sich etwas beweisen.
Dabei bräuchten sie nur Entschlossenheit, um endlich aufeinander zuzugehen.

Sie warteten und warteten, kleine Momente und große Momente hindurch, als würde jeden Augenblick etwas geschehen.
Dabei bräuchten sie es nur zulassen und es wagen aufeinander zuzugehen.

Sie suchten nach Worten und Erklärungen, als würde es darauf ankommen.
Dabei bräuchten sie nur ihrer leisen Ahnung folgen und aufeinander zuzugehen.

Warum nur ist es so schwer?

Sie ist froh, voraussichtlich die letzte Spritze, der letzte Arztbesuch. Hoffentlich sind alle Blutwerte in Ordnung und nach langer Zeit und Terminen Woche für Woche, ein Ende absehbar.

Arzt: „Wir können die Behandlung abschließen, Ihre Werte sind bestens.“

Er bespricht mit ihr noch ein paar Dinge, füllt den Kurantrag aus und rät ihr in einem halben Jahr zur Kontrolle zu kommen.

Über so lange Zeit ist sie in die Praxis gefahren und hat mit ihm, während er gespritzt hat, über alles Mögliche gesprochen, vom Wetter, vom Urlaub usw.. Es war immer eine heitere, lockere Atmosphäre.

Jetzt  schaut sie ihn an und spricht tatsächlich aus, was sie in dem Moment denkt:

„Aber warum fühle ich mich trotzdem nicht wirklich besser?“

Dabei schießen ihr plötzlich und unerwartet Tränen in die Augen.
Er bemerkt es und reicht ihr verständnisvoll ein Taschentuch.

„Bei mir finden Sie immer ein offenes Ohr. Sie müssen jetzt an sich denken, nur das tun und machen, was Ihnen gut tut.“

Er schaut sie mit einem auffordernden Blick an, der bedeutet zu reden.

Sie beginnt zaghaft und merkt dabei, dass sie ihm vertraut, dass sie reden möchte, dass der Augenblick und die Stimmung dafür gegeben sind.
Doch dann, gerade als sie beginnt sich zu öffnen, als sich etwas in ihr öffnet, klopft es an der Tür.
Die Schwester gibt ein Zeichen, das Wartezimmer ist voll, die Besprechungszeit schon überschritten.

Das war eindeutig, beide erheben sich gleichzeitig und gehen zur Tür. Er gibt der Schwester noch kurz Anweisungen wegen des Kurantrages und schon ist er hinter der nächsten Tür verschwunden, ohne ein Wort, ohne sie anzusehen, ohne sich zu verabschieden.
Sie steht für ein paar Sekunden da wie angewurzelt, schaut ihm noch nach, verabschiedet sich von der Schwester und geht.
Dann steigt sie in ihr Auto, dreht die Musik laut auf und fährt zum Einkaufen. Das Leben muss ja irgendwie weitergehen.

Die Tränen in den Augen sind getrocknet, der Körper offiziell für gesund erklärt, nur ihre Seele weint still weiter.

Am Abend holt sie die Stimmung wieder ein. Sie weiß, es ist noch lange nicht vorbei und ihr fällt sinngemäß ein Spruch aus dem Thomasevangelium ein, welchen ein Freund ihr einst ans Herz legte:

„Wenn du hervorbringst, was in dir ist, wird das, was du hervorbringst, dich retten. Wenn du nicht hervorbringst, was in dir ist, wird das, was du hervorbringst, dich zerstören.“

Schon damals dachte sie dazu:

„Solange ich mich nicht selbst lebe, nicht lebe, was ich in meinem Herzen trage, nicht folge, wo es mich hinzieht, solange wird die Zerstörung und Krankheit wüten.“

Bis heute fragt sie sich:

„Warum nur ist es so schwer?“

Letzte Worte

Es war die erste milde Sommernacht, die sie so sehr liebte. Sie ging in den Garten und genoss die Milde, das hereinbrechende Dunkel der Nacht, die ersten funkelnden Sterne am Himmelszelt. Ganz versunken in ihre Stimmung begann sie ein fragendes Selbstgespräch lautlos in Gedanken zu führen.
„Wenn es so lau ist, dann werde ich nicht müde oder doch. Ich weiß nicht. Jedenfalls mag ich dann nicht schlafen gehen. Meine Stimmung ist dann so anders. Vielleicht auch nicht immer, aber heute ist es so. Lange habe ich auf so eine milde Nacht gewartet, dabei bin ich so melancholisch gestimmt. Kann man darauf warten? Kann man das wollen? Eigentlich ja nicht oder doch?“

Dann formten sich Worte zu Papier:

Wehmut hat mich ergriffen,
ein Sehnen seit ewiger Zeit,
weiß nicht, was ist geschehen,
ein Gefühl, es macht sich breit.
Es fängt an Bände zu sprechen,
kann es nicht mehr bremsen,
es schreit hinaus in die Welt,
bahnt sich Wege durch Dickicht
mit einer Wucht, die nichts mehr hält.

Es waren ihre letzten geschriebenen Dichterworte, bevor die große Stille einbrach…………….

Erinnerungen

Heute ist so ein milder Sommerabend, ein Sommerabend voller Erinnerungen. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, an diese laue Nacht, in der die Grillen zirpten und nicht an Schlaf zu denken war. Wir waren uns so nah, dass der Wind unsere Gedanken in unsere Seelen geweht hat und wir gleichzeitig unseren Gefühlen freien Lauf gelassen haben. Es war vor etwa 3 Jahren und ohne Worte wussten wir, da geschieht etwas mit uns. Ich wusste, dass ich es nie wieder vergessen werde und es sich für immer in meine Seele einbrennt. Eine Sommernacht, in der das Sehnen Herz und Seele überzog.

Wie ein leuchtender Stern,
der vom Himmel fällt
bist du gekommen
und hast Platz in meiner Seele genommen.

Neulich ist es noch einmal geschehen, da war es wieder, in einer lauen Sommernacht und ich habe es dich wissen lassen in Worten, umschriebene Worte, in denen nur ein Hauch von Ahnung lag. Das Wesentliche stand zwischen den Zeilen.

Du hast nicht geantwortet und bist verschwunden. In mir hat es eine tiefe Wunde hinterlassen.
Solche Wunden heilen nie, sie vernarben. Aber diese Narbe trägt alle Erinnerungen in sich.

Jedes Mal, wenn die Narbe berührt wird und eine Erinnerung aufsteigt, dann schmerzt es bis zur Unerträglichkeit.
Jedes Mal, wenn es zu nah wird, beginnt eine Flucht in die Einsamkeit bis hinauf zu den Sternen und weiter. Dann weint sogar der Mond und die Sterne verlieren ihren Glanz.

Ich weiß, du hast auch so eine Narbe aus vergangenen Zeiten. Eine sehr große Narbe.

Sag mir, bist du deshalb verschwunden?

Eine neue Dimension

Manchmal reicht eine winzige Berührung, dafür aber treffsicher mitten ins Herz.
Etwas in dir fängt an sich auszubreiten. Eine neue Dimension eröffnet sich.
Du weißt nicht, was mit dir passiert, aber es zieht dich in eine bestimmte Richtung.
Dann ist es so, als ob sich deine Seele ausdehnt
und etwas hinüberfließt in des anderen gedimmten Raum,
der sich erhellt und in diese neue Dimension katapultiert.

All dies geschieht, ob du es willst oder nicht, ohne dein Zutun.

Eine übergroße, unerklärliche Freude erfüllt dich ebenso, wie ein überwältigendes Sehnen.
Du spürst Heimat, angekommen sein und etwas hebt sich aus dir heraus,
tritt an die Oberfläche und schreit nach Leben.

Wenn es dich trifft, dann weißt du es…….