Eine Abmachung

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Sie hatte eine Abmachung mit sich selbst getroffen. Niemand wusste davon, es war ihr Geheimnis und Geheimnisse gehen schließlich niemanden etwas an. Oder vielleicht doch? Sie kam ins Grübeln. Als sie die Abmachung traf, war es noch ziemlich am Anfang einer wunderbaren Begegnung.
Begegnungen gibt es immer wieder im Leben, manche verflüchtigen sich bald, manche lassen Freundschaften entstehen, manche dümpeln so vor sich hin und man weiß nicht so genau, was es denn eigentlich ist. Es kommt auch vor, dass eine große Nähe und Vertrautheit entsteht. Das ist etwas Wunderbares und Kostbares und wie ein Schatz zu hüten.

Plötzlich war da diese eine Begegnung, die von Anfang an so vertraut war, so innig. Sie spürte diese Besonderheit, diesen Zauber. Aber schon nach kurzer Zeit dieses Funkensprühens gab es diesen einen Moment, wo alles zu kippen drohte. Dieser Moment fand in ihr statt, ganz im Stillen und nur sie selbst kannte den Auslöser dafür. Es hatte auch nur mit ihr selbst zu tun, das wusste sie und deshalb war sie still, sagte nichts und traf eine Abmachung, eine Abmachung mit sich selbst.

Sie war davon überzeugt, sich immer daran zu halten und immer schön darauf zu achten, dass niemals diese magische Grenze überschritten wird. Schließlich war sie geübt darin, ihre Gefühle im Zaum zu halten und die Tränen lautlos nach innen zu drücken. Keine Bruchlandung mehr, kein Schmerz, der sie in Stücke reißt. Nein, das würde sie nicht überleben, wo sie doch noch immer dabei ist, Risse zu nähen.

Eine Zeitlang ging das ganz gut, sie wehrte sich mit aller Macht, etwas zuzulassen, was ihr so fremd geworden ist. Sie kämpfte wie wild dagegen an, obwohl sie sich nie als Kämpferin bezeichnen würde. Sie redete sich ein, alles unter Kontrolle zu haben.

Nach und nach, fast unbemerkt, schlich sich eine Art Lockerung ein und gab Raum für kleine Momente aufkommender Freude, wie Licht, welches durch einen Spalt der Fensterläden fällt. Sie lächelte und sie weinte und sie fing an die kleinen Momente zu genießen. Doch immer wieder krabbelte da diese ‘Ermahnung‘ in ihr hoch, die sie an die Abmachung erinnerte.

Sie haderte und haderte, mit sich selbst, mit der Abmachung, mit dem Leben und anstatt die Fensterläden weit zu öffnen lugt sie immer nur ganz vorsichtig hinaus, blinzelt ins Licht, lächelt, tritt einen Schritt zurück und vergräbt sich in der Dunkelheit ihrer vergangenen Schatten und Ängste.
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4 Kommentare zu “Eine Abmachung

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